In dieser Gruppe wollen die Mitglieder über Weingenuss und Weinkultur diskutieren und Informationen und Empfehlungen austauschen.
started by emililly (03-03-2008, 18:41)
03-03-2008, 18:41
Mich würde interessieren, wo da die Unterschiede liegen. Und zwar natürlich bei einem Betrieb, der noch annähernd nach alten Traditonen arbeitet.
Die Buschenschank, oder auch Heuriger genannt (eher im Wiener Bereich, so viel ich weiß) ist ein Lokal in dem primär Wein ausgeschenkt wird.
Als ich noch kleines Kind war, sind wir am Sonntag mit dem Korb zum Heurigen und haben dort unser Gebackenes Schnitzel, Faschierte Laberl, Erdäpfelsalat, Radieschen mitgebracht. Dem Heurigenwirt hat das damals überhaupt nichts ausgemacht, heute würde man mehr als schief angesehen werden und vermutlich aus dem Lokal verwiesen. Früher eben, hat man sich danach gesehnt, wenn wieder “sein” Stammheuriger ausgesteckt hat. Denn eine Buschenschenke durfte nicht das ganze Jahr über ausschenken, sondern musste zwischendurch Schließtage (meißt einige Wochen) einhalten. Ebenfalls war es dem Heurigenwirt untersagt, warmes Essen anzubieten. Was wurde damals angeboten? Extrawurst vom Kranzl, Cabanossi, Essiggurkel, hartgekochte Eier, Emmentaler, Liptauer und Frühlingskäse. Als Nachspeis Soletti, Weinbeißer und Pischinger Torte (noch die dünne, wo es ein paar in einem Packerl gibt).
Ausgeschenkt wurde ausschließlich Eigenbauwein. Heuriger Wein, ist der Wein der letzten Ernte und zumeist “resch” auf dem Gaumen. Der Alte, wie es bei Alten auch so ist, etwas milder, der gemischte Satz und meist eine Sorte Rotwein.
Wasser gab es dazu und zwar Soda aus der schönen alten Syphonflasche.
Als Kind hab ich mich schon auf mein Kracherl gefreut. Eine Zitronenlimonade mit einem besonderen Verschluss, der eben durch die entwichene Kohlensäure einen Kracher verursachte.
Was noch typisch für den Heurigen: die Gläser. Der Wein wird in der typischen Karaffe auf den Tisch gestellt. Der Weinbeißer (der den Wein beißt, bevor er ihn runterschluckt) trinkt aus einem (primitiven) 1/8 Liter Stumpenglas, die anderen ihre G’spritzen (Wein mit Soda) aus dem typischen Henkelglas.
Besonders beliebt ist der Heurigengang, wenn man draußen, im Garten sitzen kann. Recht ungemütliche Bänke, wo einem das Kreuz weh tut, aber das gehört zum Heurigen dazu. ;)
Zum Buschen muss ich noch etwas sagen, der auch namensgebend für die Buschenschank ist. Wenn ein Heuriger ausg’steckt (geöffnet) hat, dann steckt er den typischen Föhrenbuschen oberhalb der Türe, als Zeichen “ich habe offen”. Früher war es auch üblich, dass der Heurigenwirt seine Stammgäste per Postkaste verständigte, wann er ausg’steckt hat. Am Ortsanfang eines Heurigenortes (nein, es gibt auch andere Orte als Grinzing) befinden sich Tafeln, wo jede geöffnete Buschenschank ihr Taferl hineinsteckt.
Veränderung von der Buschenschank zum Heurigenrestaurant:
Jetzt werden Heurige bereits anders geführt. Es gibt kaum einen Heurigen, der nicht warmes Essen verkauft. Teilweise wird sogar am Tisch serviert. Das vergaß ich nämlich zu erwähnen, man holte sich damals sein Essen mittels Tablett beim Buffet. Ganz schlimm, wenn ein Heuriger Kaffee ausschenkt (dann ist er so gut wie unten durch beim “echten” Wiener) und noch schlimmer, wenn er sogar Bier anbietet. Das wäre so ähnlich, als würde man beim Würstlstand eine Sachertorte mit Schlag verlangen. ;-)
Was sich noch eingebürgert hat: Die Rosenverkäufer, die durch die Tische gehen und einzelne Rosen verkaufen. Getunkte Schokofrüchte, die fahrende Marktfiranten verkaufen und auch von Tisch zu Tisch gehen.
Jetzt würde mich interessieren, ob sich der Heurige von der Straußenwirtschaft unterscheidet, oder ob wir da Gemeinsamkeiten haben. Insider dürfen gerne etwas zum Wiener Heurigen ergänzen. Weiß gar nicht, ob mir alles eingefallen ist. Währenddessen suche ich ein paar Fotos, die typisch für den Wiener Heurigen sind.
emililly edited this post 03-03-2008, 18:43
03-03-2008, 20:00
in Süddeutschland auch als Besen/ Besenwirschaft/ Besenschänke bekannt, je nachdem ob ein Besen oder ein Strauss das Erkennungsmerkmal ist. Weitere ergiebige Infos unter:
ahart edited this post 03-03-2008, 20:00
03-03-2008, 20:33
@ahart: Danke!
Irgendwie wenn ich Straußwirtschaft lese, denke ich immer an den Vogel Strauß. Das habe ich früher nämlich geglaubt, als man mir davon erzählte, es wäre ein landwirtschaftlicher Betrieb, der die Viecher züchtet.
Ich lese bei wiki, die Betreiber sind abgabenfrei. Das find ich aber außergewöhnlich gut (für die Chefs). Unsere Buschenschenken müssen schon Steuer bezahlen.
emililly edited this post 03-03-2008, 20:33
03-03-2008, 21:27
aber sie dürfen auch nicht so lange öffnen (Du schreibst in Österreich müssen sie ein paar Wochen schliessen - hier dürfen sie max 4 Monate öffnen…) es gibt aber noch die Gutsausschänken, die einem Weinlokal vergleichbar sind auch gewerblich/ steuerrechtlich und immer offen haben (aber in der Regel nur die Weine des jeweiligen Winzers ausschenken. Ich persönlich war bisher vielleicht 3 mal in einem Besen, mein Opa aber wusste sämtliche Öffnungszeiten und ist da regelmässig hin. Mir fehlt irgendwie der Überblick, welche wann offen hat…
03-03-2008, 22:02
Ich weiß es nicht auswendig, wie oft aufgesperrt werden darf. Ist mir zwar schon einmal gesagt worden, aber ist nicht mehr in meinem Kopf. Müsste ich das nächste Mal fragen.
Wenn man sich bei uns ungezwungen mit Freunden trifft, dann meist beim Heurigen. Irgendwer weiß immer, wann wer wo ausgesteckt hat. ;-)
04-03-2008, 10:31
Ich glaube, sie dürfen nur jedes zweite Monat aufsperren. Werd aber mal nachschauen.
Bei den österr. Weinorten gibts bei den Ortseingängen fast immer eine Tafel “ausg’steckt ist” und die Schilder der Heurigen, die gerade offen haben. Meist gibts noch ein kleines Heftchen mit einem Heurigenkalender - das ist praktisch, wenn man eh immer in die gleichen Orte geht.
04-03-2008, 10:59
@wrnr: Mein Text war wohl (wieder einmal) zu lange, weil ich das mit dem Schild erwähnte. Nur den Aussteckkalender habe ich vergessen! :-D
Schau einmal, ob du etwas bezüglich der Aussteckzeiten findest. Ich habe gesucht, aber nichts dergleichen gefunden. Muss man vermutlich in Richtung Gewerbeberechtigung gehen und dort lesen. Vielleicht gibt es auch diese alten Bestimmungen gar nicht mehr?
04-03-2008, 12:28
Gleich mal in Wikipedia geschaut, da war in der zugehörigen Diskussion (immer empfehlenswert, da einen Blick reinzuwerfen) ein Hinweis auf das Buschenschankgesetz
Ist sogar lesbar, aber gut finde ich manche Details:
Das Buschenschankzeichen hat aus einem Föhren-, Tannen- oder Fichtenbuschen zu bestehen.
Das Ganze wohl, um Weinbauern zu ermöglichen, ohne Gastgewerbekonzession ihre Produkte auszuschenken.
Über eine Regelung, wie lange ausg’steckt sein darf, hab ich nichts gefunden. Vermutlich wird das in den Gemeinden geregelt.
Am Weg hab ich noch gefunden:wrnr edited this post 04-03-2008, 12:33
04-03-2008, 15:03
Ergänzend dazu bei wien.gv.at
Ausübung zur Buschenschank:Aber nichts über die Zeiten. ;-) §7 beim Link spricht über die Ausschankzeiten, aber nicht wie lange diese sein dürfen.
Doktorarbeit Ende!
Quelle: Wien.at
emililly edited this post 04-03-2008, 15:04
05-03-2008, 12:50
Ich kann ein paar Besenwirtschaften gerne anhängen.
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