Weingenuss und Weinkultur
In dieser Gruppe wollen die Mitglieder über Weingenuss und Weinkultur diskutieren und Informationen und Empfehlungen austauschen.
Unterschied zwischen Heuriger= Buschenschank (Ö) und Straußenwirtschaft (D)
started by emililly ( 3 March 2008)
-
3 March 2008
Mich würde interessieren, wo da die Unterschiede liegen. Und zwar natürlich bei einem Betrieb, der noch annähernd nach alten Traditonen arbeitet.
Die Buschenschank, oder auch Heuriger genannt (eher im Wiener Bereich, so viel ich weiß) ist ein Lokal in dem primär Wein ausgeschenkt wird.
Als ich noch kleines Kind war, sind wir am Sonntag mit dem Korb zum Heurigen und haben dort unser Gebackenes Schnitzel, Faschierte Laberl, Erdäpfelsalat, Radieschen mitgebracht. Dem Heurigenwirt hat das damals überhaupt nichts ausgemacht, heute würde man mehr als schief angesehen werden und vermutlich aus dem Lokal verwiesen. Früher eben, hat man sich danach gesehnt, wenn wieder “sein” Stammheuriger ausgesteckt hat. Denn eine Buschenschenke durfte nicht das ganze Jahr über ausschenken, sondern musste zwischendurch Schließtage (meißt einige Wochen) einhalten. Ebenfalls war es dem Heurigenwirt untersagt, warmes Essen anzubieten. Was wurde damals angeboten? Extrawurst vom Kranzl, Cabanossi, Essiggurkel, hartgekochte Eier, Emmentaler, Liptauer und Frühlingskäse. Als Nachspeis Soletti, Weinbeißer und Pischinger Torte (noch die dünne, wo es ein paar in einem Packerl gibt).
Ausgeschenkt wurde ausschließlich Eigenbauwein. Heuriger Wein, ist der Wein der letzten Ernte und zumeist “resch” auf dem Gaumen. Der Alte, wie es bei Alten auch so ist, etwas milder, der gemischte Satz und meist eine Sorte Rotwein.
Wasser gab es dazu und zwar Soda aus der schönen alten Syphonflasche.
Als Kind hab ich mich schon auf mein Kracherl gefreut. Eine Zitronenlimonade mit einem besonderen Verschluss, der eben durch die entwichene Kohlensäure einen Kracher verursachte.
Was noch typisch für den Heurigen: die Gläser. Der Wein wird in der typischen Karaffe auf den Tisch gestellt. Der Weinbeißer (der den Wein beißt, bevor er ihn runterschluckt) trinkt aus einem (primitiven) 1/8 Liter Stumpenglas, die anderen ihre G’spritzen (Wein mit Soda) aus dem typischen Henkelglas.Besonders beliebt ist der Heurigengang, wenn man draußen, im Garten sitzen kann. Recht ungemütliche Bänke, wo einem das Kreuz weh tut, aber das gehört zum Heurigen dazu. ;)
Zum Buschen muss ich noch etwas sagen, der auch namensgebend für die Buschenschank ist. Wenn ein Heuriger ausg’steckt (geöffnet) hat, dann steckt er den typischen Föhrenbuschen oberhalb der Türe, als Zeichen “ich habe offen”. Früher war es auch üblich, dass der Heurigenwirt seine Stammgäste per Postkaste verständigte, wann er ausg’steckt hat. Am Ortsanfang eines Heurigenortes (nein, es gibt auch andere Orte als Grinzing) befinden sich Tafeln, wo jede geöffnete Buschenschank ihr Taferl hineinsteckt.
Veränderung von der Buschenschank zum Heurigenrestaurant:
Jetzt werden Heurige bereits anders geführt. Es gibt kaum einen Heurigen, der nicht warmes Essen verkauft. Teilweise wird sogar am Tisch serviert. Das vergaß ich nämlich zu erwähnen, man holte sich damals sein Essen mittels Tablett beim Buffet. Ganz schlimm, wenn ein Heuriger Kaffee ausschenkt (dann ist er so gut wie unten durch beim “echten” Wiener) und noch schlimmer, wenn er sogar Bier anbietet. Das wäre so ähnlich, als würde man beim Würstlstand eine Sachertorte mit Schlag verlangen. ;-)Was sich noch eingebürgert hat: Die Rosenverkäufer, die durch die Tische gehen und einzelne Rosen verkaufen. Getunkte Schokofrüchte, die fahrende Marktfiranten verkaufen und auch von Tisch zu Tisch gehen.
Jetzt würde mich interessieren, ob sich der Heurige von der Straußenwirtschaft unterscheidet, oder ob wir da Gemeinsamkeiten haben. Insider dürfen gerne etwas zum Wiener Heurigen ergänzen. Weiß gar nicht, ob mir alles eingefallen ist. Währenddessen suche ich ein paar Fotos, die typisch für den Wiener Heurigen sind.
emililly edited this post 3 March 2008
-
3 March 2008
in Süddeutschland auch als Besen/ Besenwirschaft/ Besenschänke bekannt, je nachdem ob ein Besen oder ein Strauss das Erkennungsmerkmal ist. Weitere ergiebige Infos unter:
ahart edited this post 3 March 2008
-
3 March 2008
@ahart: Danke!
Irgendwie wenn ich Straußwirtschaft lese, denke ich immer an den Vogel Strauß. Das habe ich früher nämlich geglaubt, als man mir davon erzählte, es wäre ein landwirtschaftlicher Betrieb, der die Viecher züchtet.Ich lese bei wiki, die Betreiber sind abgabenfrei. Das find ich aber außergewöhnlich gut (für die Chefs). Unsere Buschenschenken müssen schon Steuer bezahlen.
emililly edited this post 3 March 2008
-
3 March 2008
aber sie dürfen auch nicht so lange öffnen (Du schreibst in Österreich müssen sie ein paar Wochen schliessen - hier dürfen sie max 4 Monate öffnen…) es gibt aber noch die Gutsausschänken, die einem Weinlokal vergleichbar sind auch gewerblich/ steuerrechtlich und immer offen haben (aber in der Regel nur die Weine des jeweiligen Winzers ausschenken. Ich persönlich war bisher vielleicht 3 mal in einem Besen, mein Opa aber wusste sämtliche Öffnungszeiten und ist da regelmässig hin. Mir fehlt irgendwie der Überblick, welche wann offen hat…
-
3 March 2008
Ich weiß es nicht auswendig, wie oft aufgesperrt werden darf. Ist mir zwar schon einmal gesagt worden, aber ist nicht mehr in meinem Kopf. Müsste ich das nächste Mal fragen.
Wenn man sich bei uns ungezwungen mit Freunden trifft, dann meist beim Heurigen. Irgendwer weiß immer, wann wer wo ausgesteckt hat. ;-) -
4 March 2008
Ich glaube, sie dürfen nur jedes zweite Monat aufsperren. Werd aber mal nachschauen.
Bei den österr. Weinorten gibts bei den Ortseingängen fast immer eine Tafel “ausg’steckt ist” und die Schilder der Heurigen, die gerade offen haben. Meist gibts noch ein kleines Heftchen mit einem Heurigenkalender - das ist praktisch, wenn man eh immer in die gleichen Orte geht.
-
4 March 2008
@wrnr: Mein Text war wohl (wieder einmal) zu lange, weil ich das mit dem Schild erwähnte. Nur den Aussteckkalender habe ich vergessen! :-D
Schau einmal, ob du etwas bezüglich der Aussteckzeiten findest. Ich habe gesucht, aber nichts dergleichen gefunden. Muss man vermutlich in Richtung Gewerbeberechtigung gehen und dort lesen. Vielleicht gibt es auch diese alten Bestimmungen gar nicht mehr? -
4 March 2008
Gleich mal in Wikipedia geschaut, da war in der zugehörigen Diskussion (immer empfehlenswert, da einen Blick reinzuwerfen) ein Hinweis auf das Buschenschankgesetz
Ist sogar lesbar, aber gut finde ich manche Details:
Zusammenfassend:
Das Buschenschankzeichen hat aus einem Föhren-, Tannen- oder Fichtenbuschen zu bestehen.- in Wien gelegene Wein- und Obstgärten besitzen und in Wien ihre Betriebsstätte haben
- in einem Heurigengebiet (werden für Wien taxativ angeführt: §4, Abs.4)
- nur Eigenproduktion (bis auf kleine Ausnahme)
- auf Betriebsgelände (bis auf Ausnahmen, wie Volksfeste im Heurigengebiet, kein Platz)
- muß angemeldet werden beim Magistrat
- Wein, Sturm, Traubenmost und Traubensaft, ausgenommen versetzte Weine;
- Obstwein und Obstmost, hergestellt durch begonnene oder vollendete alkoholische Gärung des Saftes oder der Maische von frischen Äpfeln, Birnen oder Beerenobst oder einem Gemenge dieser Obstarten, sowie Obstsaft von Äpfeln, Birnen oder Beerenobst;
- selbst gebrannte geistige Getränke.
- Mineralwasser, Sodawasser und kohlensäurehältigen Getränken
- Verabreichung von allen heimischen Wurst- und Käsesorten, Schinken und geräuchertem Fleisch, Speck, kaltem Fleisch und kaltem Geflügel, Sardinen, Sardellenringen und Rollmöpsen, Salaten, Essiggemüse, hartgekochten Eiern, Brotaufstrichen aller Art, Butter und Schmalz, Grammeln, Salzmandeln und Erdnüssen, Weingebäck wie Weinbeißern, Kartoffelrohscheiben und Salzgebäck, Brot und Gebäck sowie heimischem Obst und Gemüse unter Ausschluß aller warmen Speisen gestattet
- keine Spiele und Tanzveranstaltungen erlaubt
Das Ganze wohl, um Weinbauern zu ermöglichen, ohne Gastgewerbekonzession ihre Produkte auszuschenken.
Über eine Regelung, wie lange ausg’steckt sein darf, hab ich nichts gefunden. Vermutlich wird das in den Gemeinden geregelt.
Am Weg hab ich noch gefunden:- die Info zur Bezeichnung des Weines “Heuriger”:
der Wein der letzten Lese wird zu Martini (11. November) das erste Mal ausgeschenkt, der des letzten Jahres wird zum “Alten” - Weinrap österr. Begriffe zum Wein (“Wein-Austriazismen”) mit Erklärung und richtiger Aussprache
wrnr edited this post 4 March 2008
-
4 March 2008
Ergänzend dazu bei wien.gv.at
Ausübung zur Buschenschank:
In den letzten 2 Jahren durfte keine Trauben, Traubensaft, Most, Sturm, Wein, etc. zugekauft werden.
Mindestens eine Sorte eines nichtalkoholischen Getränks muss billiger sein, als die gleiche Menge Alkohol.
Es sind sogar die Heurigengebiete ganz klar eingegrenzt:- Im 10. Bezirk das Gebiet der Katastralgemeinden Oberlaa-Land und Unterlaa
- Im 16. Bezirk das Gebiet westlich der Verbindungsbahn
- Im 17. Bezirk das Gebiet der Katastralgemeinden Dornbach und Hernals
- Im 18. Bezirk das Gebiet westlich der Verbindungsbahn
- Das gesamte Gebiet des 19. Bezirkes
- Im 21. Bezirk das Gebiet der Katastralgemeinden Stammersdorf, Strebersdorf und Groß-Jedlersdorf I
- Im 23. Bezirk das Gebiet der Katastralgemeinden Atzgersdorf, Liesing, Rodaun, Mauer und Kalksburg
Aber nichts über die Zeiten. ;-) §7 beim Link spricht über die Ausschankzeiten, aber nicht wie lange diese sein dürfen.
Doktorarbeit Ende!
Quelle: Wien.atemililly edited this post 4 March 2008
-
5 March 2008
Ich kann ein paar Besenwirtschaften gerne anhängen.
Weingut u. Besenwirtschaft Hermann Bärtiger Winzer - Besenwirtschaft
Brunnengasse 1, 69254 Malsch
Weingut Willi Meisersick - Besenwirtschaft
Malschenberger Straße 20, 69231 Rauenberg
-
29 June 2010
Kann keinen Beweis antreten, aber soviel ich weiß, darf jeder Buschenschank maximal 200 Tage im Jahr geöffnet haben und es darf nur selbst gefechster Wein ausgeschenkt werden, der im Umkreis von maximal 25km gezogen worden ist. Meistens haben die kleinen Buchenschank-Betrieb zwei bis maximal Wochen am Stück geöffnet (eine sogenannte "Stange") und dann wieder geschlossen. Die Häufigkeit ergibt sich aus der eigenen Weinmenge und nach Absprache mit den lokalen Winzerkollegen mittels des Weinbauvereins.
Der Buschen (Föhrenbuschen) wird abends meist mit einem grünen Licht erhellt (kein rotes ;-).
Noch eine kleine Anmerkung:
Die Tafel am "Ortseingang", die angibt wer ausgesteckt hat,
heißt im Volksmund "Rauschbam".Hier sind meine Rauschbam:
http://www.perchtoldsdorf.com
http://www.liesing.at/mauer/pdf/wein/heurigen_2010.jpgKain Schmeh edited this post 29 June 2010
English
