I'm Niclas Grabowski from Berlin. I've been Qyping since 21-12-2007
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Niclas Grabowski's Qype profile
Ponte - Schöneberg
Regensburger Straße 5, 10777 Berlin
28-04-2013
Ich sage es aber jetzt einfach mal etwas länger. Da gab es mal ein Restaurant in einer Seitenstraße der Wilmersdorfer, nördlich vom Kaiserdamm, in diesem schönen aber irgendwie vergessenen Viertel von Charlottenburg, wo es nur Rogacki gibt und schöne Altbauten und sonst nichts. Das Restaurant hieß Ponte Vecchio. Es sah einfach aus. Es hatte eine einfache Karte. Und ich habe irgendwie meine Jugend, will sagen, meine Zeit als Teenager dort verbracht. Die Karte nämlich, die war es nicht, was hier wirklich eine Rolle spielte. Vielmehr kam der Chef an jeden einzelnen Tisch, und er gab einfach Auskunft, was Kühlschrank und Lager so hergaben. Und das war immer eine Liste, die so lang war, dass man sie sich kaum merken konnte. Einige Dinge kannte man (Carpaccio), von einigen hatte man nur gehört (Kalbsbries), einige hörten sich lächerlich einfach an (Spinatsalat), nur wenige waren so typisch italienisch (mit Ausnahme der Gnocci, die hier mit Ricotta oder einem anderen Frischkäse angereichert wurden). Aber immer kam ein kleines Wunder aus der Küche, mit Salbei, gerösteten Pinienkernen oder einer Weißweinsoße aromatisiert. Nie zu aufdringlich im Geschmack. Gab es Artischocken oder Austernpilze, so wurde einfach nur der maximale Geschmack aus den guten Zutaten rausgeholt, und das war es dann. Und da diese kleinen Gerichte so wunderbar waren, haben meine Familie und ich uns in der Regel auf fünf bis sechs Vorspeisen beschränkt, und wir waren glücklich damit.
Natürlich war dieses Ponte Vecchio ein Westberliner Klassiker, in dem man alle Prominenz der 80er treffen konnte. War Karajan da? Bestimmt. Und so war halb Berlin traurig, als dieses Restaurant plötzlich Geschichte war. Und noch schlimmer: Die Macher verschwanden irgendwie in der Berliner Gastronomie, wo sie dann Sachen kochten, die es überall gibt. Unterfordert, unglücklich, schon fast tragisch. Aber die Fans, die erinnerten sich immer noch. So sprach sich ganz, ganz still herum, dass es da ein Restaurant namens Ponte gibt, wo die Macher des Ponte Vecchio seit knapp zwei Jahren wieder auf eigene Rechnung aktiv sind. Und endlich war ich jetzt da, jetzt mit eigener Familie, und der Chef sieht immer noch genauso aus. Nur halt mit weißen Haaren statt mit schwarzen. Und wieder wird eine endlos lange Liste von Delikatessen verlesen, die man sich kaum merken kann, aber das spielt keine Rolle, weil sie alle gut sind. Winzige Teller, die für sich als Kunstwerke funktionieren. So wie der Salat von Pulpo mit einem Dressing aus Blutorangen. Oder auch das beste Panna Cotta auf der Welt, nicht zu süß, in seiner Konsistenz unschlagbar.
Nein, dieses Restaurant braucht keine Werbung. Ihm gebührt eine Hommage.
Die Stulle - Charlottenburg
Carmerstrasse 10, 10623 Berlin
27-04-2013
Verweilen soll man hier. Aufgefordert wird man, hier gelesene Bücher zu tauschen. Und der kleine Raum hinten rechts, ist dieser nicht das perfekte Büro für den, der es zuhause nicht mehr aushält oder auch nur einen leeren Kühlschrank hat, der das weitere Arbeiten verhindert?
War es hier in den ersten Wochen noch etwas still, so haben die Anwohner den Laden inzwischen entdeckt. Die zweite Kraft im Service war fällig, wirkt zwar noch wie eine ungelernte Aushilfe, aber das wird schon. Ansonsten ist der Service einfach liebevoll. Ein weiterer Gewinn für den Kiez.
Ristorante Ferrara - Nikolassee
Breisgauer str 14, 14129 Berlin
27-04-2013
Gestern Abend aber war da etwas mehr. Lifemusik gab es, von einem einzelnen Musiker, den wir schon kannten, der merkwürdigerweise sowohl Udo Lindenberg als auch Adriano Celentano kann, und das zum Verwechseln gut. Und dann stellte sich heraus, dass hier im ruhigen Nikolassee sich offenbar alle Generationen mitreißen lassen - von ungefähr zehn bis siebzig. Die meisten tanzten, tranken, der Chef (im Gegensatz zu seinen Mitarbeitern kein Italiener) sorgte für gute Laune, der Laden war brechend voll, und sowohl Küche als auch Service brachen unter dem Ansturm ein - was aber nicht schlimm war. Waren die Meeresfrüchte aus, machte man halt mit Scampi weiter.
Sagen wir es gerade heraus - Gastronomie soll Menschen glücklich machen, und das gelingt durch charmantes Bewältigen von kleinen Problemen durchaus besser als durch das sture Einhalten von Regeln. Und so war es auch OK, wenn man etwas länger auf das Essen warten musste. Die Zeit lohnte sich auch so.
Prince of India - Mitte
Urbanstraße 38, 70182 Stuttgart
25-04-2013
Betrieben wird das Restaurant offenbar von einem Ehepaar. Sie ist von hier, er kommt aus dem Punjab. Und nach durchaus längerer Diskussion zwischen Chef und Gästen kommt hier etwas auf den Tisch, was den großartigen kulinarischen Erlebnissen aus meinem letzten Aufenthalt in Indien durchaus gleicht. Dass es dann auch etwas schärfer war, versteht sich von selbst. Und auch meine Inder waren durchaus angetan von dem Erlebnis.
Nun bin ich mir nicht sicher, ob es nicht doch die Anwesenheit von anderen Indern war, die die Küche hier zu Höchstleistungen getrieben hat. Zumahl die Umgebung in diesem Restaurant auch alles andere als vielversprechend war. Nur in wenigen Details hat man hier die Einrichtung der einfachen Kneipe, die dieses Restaurant wohl vorher war, bei der Übernahme verändert. Aber man kann ja mal mit dem Chef reden, sagen, dass man etwas intensivere Speisen durchaus zu schätzen weiß. Und dann hat man tatsächlich ein klein wenig Indien hier in Schwaben.
Und übrigens: Am besten war das Tandoori Chicken Tikka ganz ohne Soße. Keine Ahnung, ob das so auf der Karte steht...
Osteria Veneta - Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt
Utzschneiderstraße 4, 80469 München
11-04-2013
Das Zwischengericht, Pasta mit einer scharfen Wurst, fiel dagegen etwas ab, mehr Schärfe, mehr Mut zu Knoblauch hätte ich hier erwartet. Die Pasta selbst war gut, hausgemacht, nehme ich an. Eine kleine Panne des Services blieb dann allerdings auch nicht aus, statt des von mir bestellten Lammcarrees kam ein Filet in Rotweinsoße, auch gut, aber dennoch das wahrscheinlich weniger spannende der beiden Fleischgerichte auf der Karte. Auch bezüglich der Einrichtung sollte man jetzt nicht so viel erwarten, zumindest auf mich wirken die Malereien an den Wänden etwas antiquiert, und insgesamt ist es halt ein recht kleines, manchmal etwas eng wirkendes Lokal in einer kleinen Seitenstraße.
Passen tut die Umgebung aber für ein Essen zu zweit wirklich gut, dafür stimmt die Atmosphäre dann. Auch gelingt es den beiden Betreibern gut, dem Gast ein Gefühl von Heimat zu vermitteln, man fühlt sich sofort gut aufgehoben, und das ist dann auch schon sehr viel wert. Unprätentiös, familiär und ideenreich, so kann man das Restaurant vielleicht am besten beschreiben.
Stadtkantine - Altstadt
Neuhauser Str. 15a, 80331 München
28-03-2013
(updated on 01-04-2013)
Dafür kann man sich dann auf das wirklich wichtige konzentrieren, denn das Essen hier ist deutlich besser, als es der Ort eigentlich vermuten lässt. Montag Abend fing es mit einer handwerklich wirklich gut gemachten Consomme Double an, serviert in einer etwas unpraktischen Schale, dafür aber groß und lecker. Danach folgte ein exzellentes Lachstatar, etwas anders als erwartet, aber gerade deshalb klasse, auf einem Algensalat und mit etwas "Wasabifischrogen" darauf - das hätte auch als Gericht in einem Sternerestaurant getaugt. Das Hauptgericht dann solide, ein Rinderpaillard, mit einem sehr guten Salat mit viel gehobelten Parmesan.
Das gute an dem Restaurant ist, dass die Küche hier Charakter hat, eigene Ideen werden hier handwerklich gelungen umgesetzt. Und das ist - gerade wenn man beruflich viel unterwegs ist und die diversen Ketten nicht mehr sehen kann - eben ein Erfolgsrezept, dem sich leider viel zu wenige Gastronomen verpflichtet fühlen. Und wenn dann der Preis noch stimmt, wie es hier der Fall ist, dann kann man nur hoffen, dass es hier noch sehr lange erfolgreich weitergeht.
Daitokai - Charlottenburg
Tauentzienstr. 9-12, Europa-Center, 1. Etage, 10789 Berlin
18-02-2013
(updated on 28-03-2013)
Das Essen selbst lebt erst einmal davon, dass es extrem lecker ist. Die Show mit dem Kochen am Tisch will dagegen nicht mehr so ganz zünden. Das Restaurant ist unübersichtlich, sehr personalintensiv, erscheint daher teuer, wenn man die Karte liest. Die Portionsgröße könnte manchmal etwas großzügiger sein. Dafür wirkt es aber weit japanischer als - mit Ausnahme des Kushinoyas - alle anderen Restaurants in Berllin. Und da für mich die japanische Küche weltweit einfach die beste ist, sehe ich den weiteren Erhalt dieser Institution einfach als ein Muss an. Man sollte das Daitokai unter Denkmalschutz stellen.
Aber im Ernst: Selbst wenn das Restaurant vielleich aus Preisgründen nicht das Zeug zum Lieblingsrestaurant hat, ein Erlebnis bietet es allemal, und wer es nicht kennt, der hat schon etwas versäumt. Und ich kenne kaum ein Restaurant, bei dem die Rohmaterialien, die vor dem Kochen an den Tisch gebracht werden, so viel Lust auf das Essen machen wie hier. Und achtet man mal darauf, wie die Gerichte zubereitet werden, dann lernt man auch, wie man aufgrund solider Zutaten auch mit wenig komplexen Rezpeten Genüsse schaffen kann. Ich glaube, heutzuage würde man das als Kochschule verkaufen...
Mon Amie Maxi - Westend
Bockenheimer Landstraße 31, 60325 Frankfurt am Main
20-03-2013
Thema des Restaurants ist eine französische Brasserie. Dies scheint mir bei der Einrichtung nur in Teilen gelungen zu sein - alles wirkt hier noch etwas zu neu und vielleicht auch etwas zu nüchtern. Dafür aber ist das Gebäude, in dem sich das Restaurant befindet, schon ein Highlight. Da wir ja hier in Frankfurt sind: Es wäre einer Bank würdig.
Das Essen und der Service sind aber dann über jeden Zweifel erhaben. Neben bekannten Klassikern finden sich ein paar besondere Eigenarten der französischen Kultur, die man sonst in Restaurants viel zu selten erhält. So Stopfleber, Froschschenkel und Hummersuppe, und dann auch noch Kalbsbries, was wir probieren und auf Wunsch als wirklich leckere Vorspeise auf den Teller kommt. Auch das bei uns etwas weiter verbreitete Lachstartar ist hier großartig gelungen. Als Hauptgericht folgen wir dann der Empfehlung des Kellners, wir bekommen eine Ente für zwei, eine der besten Enten, die ich bisher in einem Restaurant gegessen habe. Weder zu trocken (weil schon vorgebraten) noch zu wenig knusprig (weil nicht lange genug im Ofen) - wohl aufgrund eines speziellen Grills, den das Restaurant sein eigen nennt. Das war wirklich ein kleines Erlebnis. Der Nachtisch - soweit dafür nach den guten Portionen noch Platz ist - bietet dann mit einem warmen Schokoladenkuchen nochmal einen extrem leckeren Abschluss.
Spaß macht hier auch der entspannte und kompetente Service, der auch noch ein paar gute Ideen für Weine und Digestivs hat. Genießt man das alles, überschreit zwar das Budget für einen Besuch in einer originalen Brasserie schon etwas, aber für einen Montagabend in Frankfurt lohnt sich das trotzdem. So langsam wird das was in Frankfurt mit dem Essen. Diesmal - mal wieder - wegen der Mookgruppe.
Lalitha Mahal Palace Hotel - Maisur
570 011 Maisūru
18-02-2013
Ein Palast war das früher, ein Hotel ist das heute. Angeblich für die fleischverzehrenden Gäste eines vegetarischen Fürsten geschaffen, liegt das Gebäude auf einem Hügel mit wunderschönem Blick über die Stadt. Ein noch höherer Hügel mit einem bekannten Tempel ist nicht weit entfernt. Fährt man zum Hotel, so ist der erste Blick auf das Schloss überwältigend. Wie so viele indische Herrscher hat auch der von Mysore sich beim Bau des Palastes an europäischen Vorbildern orientiert. Das ist nicht hundertprozentig geglückt, dennoch gehört der Palast sicher zu den gelungeneren Beispielen der Architektur der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Innen meint man dann, sich in einem Film über die Kolonialzeit zu befinden. Schöne große Hallen und gemütliche kleinere Bars gibt es hier. Das Essen nimmt man im ehemaligen Ballsaal ein, der schon ein eindrucksvoller, hoher und weiter Raum ist.
Eigentlich wollen die hier von Touristen einen Eintrittspreis kassieren. Sagt man jedoch am Eingang gleich, dass man etwas essen oder trinken will, wird man schnell als Gast behandelt, und man stellt fest, dass es hier auch nicht so teuer ist. Dafür entdeckt man dann, wie so oft in Mysore, dass die alte Pracht im Detail mal wieder gestrichen werden sollte. Luxus mit Patina, das gibt es hier zu sehen und zu genießen.
Crowne Plaza - Bangalore
Phase 1, Hosur Road, 43 Electronics City, 560100 Bangalore
18-02-2013
Das Hotel bietet denn auch einen internationalen Standard, der den entsprechenden Spitzenhotels weltweit entspricht. Der Service ist excellent, es gibt drei Restaurants (eigentlich eher zwei, weil zwei unmittelbar zusammen liegen). Ein kleiner Swimmingpool unter freiem Himmel ist sehr nett, um daneben in der Sonne zu liegen, erweist sich aber als überraschend kalt. Es gibt große Verranstaltungsräume, die sowohl für Firmenveranstaltungen als auch für eine Verlobungsfeier während meiner Anwesenheit hier genutzt wurden. 600 Gäste sind dabei kein Problem. Und Bühnentechnik gibt es auch. Glücklicherweise scheint man hier nicht bis spät in die Nacht zu feiern, so dass man als Gast dennoch ungestört schlafen kann. Ein kleiner Fittnessraum besteht, die Sauna wurde allerdings gerade renoviert. Die Zimmer sind schön eingerichtet, ein Kollegen berichtete von einer kleinen Panne mit seiner Dusche, die aber dann ebenfalls repariert wurde.
Dies alles wäre ein weiteres Beispiel für die Globalisierung von Gastronomie, wenn da nicht noch etwas mehr wäre. Erst mal gibt es da nämlich das eine Restaurant, das - wenn man Buffets und gemischte Platten vermeidet - eine wirklich hervorragende, indische Küche bietet. Zwar ist man bei a la carte Bestellungen damit auch bei über 20 Euro pro Abendessen, aber man bekommt wirklich leckere Gerichte quer durch die indischen Regionen. Die beste Einführung in indisches Essen, die man sich vorstellen kann. Und dann gibt es noch etwas: Die Menschen, die hier arbeiten, haben etwas zu erzählen. Einer der Kellner hat das Mahabharate und das Ramayana gelesen und weiß daraus zu erzählen. Die hübsche Dame am Empfang erklärt, wie das mit den Saris funktioniert und wie lange das jeden Morgen dauert. Und der Servicechef kann erklären, wie das in Indien so mit der Gastronomie funktioniert - die Arbeitszeiten sind noch schlimmer als bei uns.
So bestätigt sich mal wieder die Erfahrung, dass beim Reisen - neben dem Essen natürlich - die wirklich spannende Erfahrung darin besteht, sich mit den Menschen um einen herum auszutauschen, etwas von sich zu erzählen und etwas über den anderen zu lernen. Das kann man hier. Man muss nur offen sein und ein wenig Interesse zeigen.
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