Niclas Grabowski's Qype reviews
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Puschkin (früher Zarskoje Selo), , Sankt-Petersburg
Niclas Grabowski
wrote on 14 May 2008
Manchmal ist man ohne Russischkenntnisse hier einfach aufgeschmissen. Als ein einheimisches Paar hier im Palast die Reiseführerin unserer Gruppe auf Russisch anschnauzte, diese das aber einfach ignorierte, war es ein Rätsel für mich. Aber glücklicherweise ist die Begleiterin des hier Schreibenden zweisprachig aufgewachsen und beherrscht diese nicht einfache Sprache fast so gut wie Deutsch. Und sie verstand daher, worum es bei dem kleinen Aufstand ging. Um uns, die Besucher aus dem fernen Deutschland. Die Reiseführerin, so das russische Paar, solle uns gefälligst sagen, was wir im Krieg hier alles angerichtet haben.
Der deutschen Wehrmacht ist es im Zweiten Weltkrieg nicht gelungen, St. Petersburg einzunehmen. Aber den wunderschönen Katharinenpalast, ca. 25 Kilometer südlich von St. Petersburg (damals Leningrad), den hatte man schon erreicht. Und als die deutschen Truppen dann abzogen, hat man kaum einen Stein auf dem anderen gelassen. Ein Schicksal, was auch noch weitere der wunderschönen Zarenpaläste in der Umgebung der Stadt getroffen hat. Hier im Katharinenpalast kam es wohl zum berühmesten Fall von Vandalismus. Denn hier befand sich das Original der Bernsteinzimmers, das beim Rückzug mitgenommen wurde. Nach wie vor ist es verschollen, wahrscheinlich verbrandt in den Ruinen des Stadtschlosses von Königsberg.
Heute kann man hier seit einigen Jahren immerhin eine Kopie sehen, die auch mit deutschen Geldern (der Ruhrgas AG) finanziert worden ist. Das Bernsteinzimmer könnte so gut als Symbol taugen für eine enge Beziehung mit Russland. Denn entstanden ist es ursprünglich in Preußen, bevor König Friedrich-Wilhelm es im frühen 18. Jahrhundert dem russischen Zaren Peter, dem Großen schenkte. Ein paar Jahre hing es wohl auch im Berliner Stadtschloss. Aber auch dieses ist ja inzwischen gesprengt.
Überraschenderweise erschien mir die Kopie des Bernsteinzimmers vor der Kulisse des wunderschönen Katharinenpalastes insgesamt doch etwas unterzugehen. Schon von außen ist es ein großartiges Ensemble, was sich hier bietet. Ich empfehle hier mal wieder, die SAT-Ansicht der nebenstehenden Karte zu nutzen, die durchaus schon eine Übersicht über den Palast, die Nebengebäude und den Park bietet. Auch die Bilder auf der Webseite (leider nur auf russisch) dürften für sich sprechen. Und die Wunder setzen sich im Innern des Gebäudes fort. Das Bernsteinzimmer ist nur ein Raum innerhalb einer Abfolge von Prunkräumen des Palastes, von denen jeder einzigartig entsprechend eines eigenen Konzeptes gestaltet ist. Und dann gibt es auch noch eines der eindrucksvollsten Treppenhäuser, die es so zu sehen gibt. Eine beeindruckende Aufbauleistung. Wirklich einen Besuch wert.
Ich konnte es nicht vermeiden, an die Diskussion um den Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses zu denken, als ich hier zu Besuch war. Warum tun wir uns nur so schwer damit? Noch sind wir Deutschen wohl besser im Zerstören von Schlössern als im Aufbauen, oder?
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Nikolskij morskoj sobor, Sankt-Petersburg
Niclas Grabowski
wrote on 13 May 2008
Normale Menschen haben ihr spirituelles Erweckungserlebnis üblicherweise beim Besuch eines buddistischen Tempels. Da stehen sie dann völlig verzaubert von den unbekannten Gerüchen, den Gesängen, der fremdartigen Architektur und den Gläubigen in Trance und verstehen dabei kein einziges Wort. Und dennoch: Man fühlt sich tief bewegt, fragt sich, wozu das eigene Leben denn so gut ist und will plötzlich alles anders machen. Zu Hause werden dann Bücher gelesen, und man versucht, den Kick aus der Fremde verzweifelt zu reproduzieren.
Ich dagegen hatte mein Erlebnis bei einem Gottesdienst in einer russich-orthodoxen Kathedrale in St. Petersburg. Ein wunderschönes Gotteshaus, bereits von außen, gebaut in einem kleinen Park, der auf drei Seiten von Wasser umgeben ist. Das Gebäude selbst wirkt unverkennbar russisch, es nimmt die Formsprache älterer, oft hölzerner orthodoxer Kirchen auf. Innen findet man dann einen Bilderrausch vor. Ikonen und Bilder von Heiligen, Altäre, goldene Wandverkleidungen. Man weiß nicht, wohin man die Augen wenden soll, so viel Spannendes scheint es hier zu geben.
Hier wurden wohl auch zu Zeiten der Sowjets Messen gelesen, besser gesungen. Und so lässt man sich hier auch nicht durch die vielen Touristen beirren, die sich hier zu fast allen Zeiten befinden. Man ahnt, dass auch das mit dem Tourismus eine Erscheinung ist, die wie so vieles die Zeiten nicht überdauern mag. Die Zeiten überdauern, das wird aber sicher das Ritual des Gottesdienstes mit seinen Gesängen und dem intensiven Geruch nach Weihrauch. Hier sind die Gläubigen und die Priester noch voll bei der Sache. Jeder im Raum macht den Eindruck, wirklich mit dem Herzen dabei zu sein. Dabei fällt auf, dass hier auch viele junge Menschen beten, meistens allerdings auch recht einfach angezogen sind. Ein soziales Gegenbild zum schönen Schein des Newskij Prospect. Und dennoch fühlt man sich hier selbst als Tourist nicht unwillkommen. Selbst wenn man eigentlich bei der Besichtigung des Gottesdienst stört.
Vielleicht liegt der besondere Reiz des orthodoxen Gottesdiensts darin, dass hier ein Geheimnis bewahrt wird. Denn im Gegensatz zum Westen dürfen hier die Gläubigen nicht alles mitverfolgen. Der eigentliche Altarraum kann nur durch eine kleine Öffnung eingesehen werden. So bleiben viele der heiligen Handlungen für die Gläubigen ein Mysterium. Und ist das nicht genau das, was das Wort Glaube impliziert? Nämlich die Bereitschaft, zu Glauben ohne zu sehen? So kann man hier, in der Kathedrale von St. Nikolaus mehr sehen als nur Architektur und Kunstgeschichte. Mit etwas Glück und Einfühlungsvermögen versteht man nach dem Besuch hier die Menschen besser.
Bin ich jetzt konvertiert? Gott bewahre!
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Malaya Morskaya 14, 190000 Sankt-Petersburg
Niclas Grabowski
wrote on 13 May 2008
Schöne, große Zimmer mit hohen Räumen gibt es hier. Es ist ein gut renovierter Altbau, der wahrscheinlich schon immer als gutes Hotel gedient hat. Zentraler kann man kaum wohnen. Die meisten Sehenswürdigkeiten im Reiseführer lassen sich zu Fuß gut erlaufen. Die Positionierung auf der Karte ist allerdings nicht ganz genau, das Hotel liegt etwas weiter westlich.
Als Hotel bietet das Petro Palace den aus führenden Hotels westlicher Metropolen gewohnten Standard. Enttäuschend war für uns nur das Restaurant. Denn die für die Reisegruppe als Arrangement gebuchten Mittagsmenüs stellten sich im Verlauf mehrerer Tage als doch sehr einheitlich heraus. Dabei konnten wir an anderen Orten feststellen, dass die russische Küche durchaus mehr zu bieten hat. Ein Erlebnis der anderen Art war die Zigeunermusik, die wir hier einmal genießen durften, inklusive einem Typen in Bärenkostüm. Sehr merkwürdig. Ich dachte, so etwas gibt es nur noch im Film. Die Bar im siebten Stock haben wir auch als etwas skurril erlebt. Sie ist offenbar ein Produkt neuer Zeiten und zeigt, dass das Gefühl für Innenarchitektur in den letzten hundert Jahren nicht unbedingt Fortschritte gemacht hat.
Etwas merkwürdig war auch der Concierge, der meinte, wir würden hier Regenschirme klauen, und uns deshalb an der Tür bei der Abreise aufhielt und unseren Regenschirm kontrollierte. Die müssen hier merkwürdige Erfahrungen mit Gästen haben.
Für einen ersten Aufenthalt in Russland kann ich hier aber nur eine Empfehlung aussprechen.

