I'm Dominique from Berlin. I've been Qyping since 04-10-2006
"Wenn es nur eine einzige Wahrheit gäbe, könnte man nicht hundert Bilder über dasselbe Thema malen. (Pablo Picasso)"
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Dominique's Qype profile
Hebammenpraxis Bauchraum Bauer und Schüßling - Prenzlauer Berg
Choriner Str. 31, 10435 Berlin
12-01-2009
Nella kommt nicht mehr. Viele Monate lang war sie Entscheidungshilfe und Ratgeberin auf ungewohntem Terrain. Die Honorarordnung der gesetzlichen Krankenkasse meint, jetzt wäre es genug. Doch ich will nicht undankbar sein. Weil die Krankenkasse mir gestattete, alle Schwangerschaftsvorsorgen und –nachsorgen statt bei einem Gynäkologen im weißen Kittel in der entspannten Atmosphäre einer Hebammenpraxis zu machen, habe ich Nella überhaupt getroffen.
Schwangere haben viele Fragen. Nella hat sich meine geduldig angehört, hat mir Blut abgenommen, meinen Eisenwert bestimmt, mir sanfte Mittelchen empfohlen, meinen Bauch betastet und mich sicher durch eine aufregende Zeit gelotst. So viel Zeit wie sie sich für mich nahm, habe ich meinem ganzen Leben nicht in einer Arztpraxis verbracht, in der die Honoraruhr im Hintergrund erbarmungslos tickt. Ich habe Nella viel zu verdanken.
Ich mag Nella einfach, ihre selbstbewusste, aufgeschlossene Art, ihre Unkompliziertheit und ihre Entspanntheit. Ich bin froh, dass sie vor einigen Jahren ihre hübsche Praxis in der Choriner Straße eröffnet hat und auch dass sie mit ihrem Rucksack und dem Fahrrad bis in angrenzende Bezirke radelt, um den Nachwuchs zu begutachten und die Genesung der frischgebackenen Mutter zu überwachen.
Hebammen, die äußerst selten vorkommenden männlichen Kollegen heißen übrigens Entbindungspfleger, sind hochspezialisierte Fachleute. Während sich ein Frauenarzt außerdem mit diversen Krankheiten und gegebenenfalls mit ambulanten OPs herumschlägt, haben es die Nellas dieser Welt mit werdenden Müttern, Babys und ihren ganz speziellen Problemlagen zu tun.
Neulich habe ich Nella zufällig getroffen, auf dem Flohmarkt am Mauerpark. Es war ein eisig kalter Sonntag. Sie hatte die Hände tief in der Jacke vergraben, ihre giftgrünen Stiefel und der farblich passende Schal leuchteten mir entgegen. Wir umarmten uns flüchtig, sie erkundigte sich nach dem Wohlergehen, wechselten drei schnelle Worte. Es geht mir gut. Es geht dem Baby gut. Und Nella, der Freundin auf Zeit, geht es auch gut. Etwas wehmütig ließ ich sie ziehen.
waschechteBerliner Auch von mir die allerherzlichsten Glückwünsche zum jüngsten Qyper-Nachwuchs (durch das Zusammentreffen bei der Qyper-
Night im August wusste ich ja zumindest von dem bevorstehenden Ereignis). Und als dreifache Mutter würden mich natürlich auch
nähere Details, wie Größe, Gewicht, etc. interessieren.
Übrigens auch wieder mal ein sehr schöner (persönlicher) Beitrag .
1 February 2009
Freie Schule Strausberg - Strausberg
Prötzeler Chaussee 7, 15344 Strausberg
25-01-2007
(updated on 02-12-2008)
Die Freie Schule Strausberg ist eine genehmigte Ersatzschule im Bereich der Grundschulbildung. Unterrichtet wird reformpädagogisch und in kleinen Klassen. Schwerpunkte sind die musische, künstlerische und naturwissenschaftliche Ausbildung. So lernt z.B. nahezu jedes Kind ein Instrument. Besonders schön ist auch das Schulgelände mit einem 10000 qm großen denkmalgeschützten Hof. Im August 2007 eröffnet auf dem Gelände ein freies Gymnasium.
World of Notebook - Friedrichshain
Wühlischstraße 55, 10245 Berlin
27-11-2008
Man sammelt nur Pilze, die man kennt. Man setzt sich nicht auf die geöffnete Tür des Backofens. Man geht nicht mit vollem Magen schwimmen, sagt einer Frau nicht, dass sie ein umfängliches Hinterteil bekommen hat. Man rupft nicht gleichzeitig an Vorder- und Hinterbremse des Fahrrads. Und man zieht nicht am Netzwerkadapterkabel seines Notebooks.
Alle vier Sekunden, so sagt die Versicherungsstatistik, geschieht ein Unfall in Deutschland. Wie gut, denke ich da, dass es die Giftambulanz gibt, den freundlichen Herrn von der Installationsfirma und die Jungs von “World of Notebook”. Denn ich habe meinem elektronischen Lebensgefährten die Energiebahnen durchtrennt.
Der ganz normale Elektronikhändler konnte in meinem Fall keine schnelle Hilfe leisten. Ich lerne, dass der Hersteller meines Notebooks exklusive Stecker herstellt, die zum zeit- und finanzaufwendigen Bestellen des Originalteiles zwingen. Zeit und Geld habe ich nicht. Man zieht eben nicht an Netzwerkadapterkabel des Notebooks.
Die Weiterleitung funktioniert jedoch tadellos. “Wir können nicht helfen, aber die hier können”, sagt einer der Fachangestellten im Computershop und legt eine Visitenkarte auf den Tisch. Er sagt es mit Bestimmtheit, er sagt es mit Respekt.
Die kleine Odyssee endet abrupt im Friedrichshain in einem nahezu leeren, schmucklosen Ladengeschäft mit einem einschüchternden Verkaufstresen. Von außen sieht der Laden aus als würde dort rein gar nichts verkauft. Er ist leer. Ordentlich werden dezent wenige ausgesuchte Infozettelchen ausgestellt. Ein Bastler hockt vor einem filetierten Computer und freut sich über seine gelungene Reanimation. Ein zweiter Herr sucht im Lager nach meiner Rettung.
Bastler: Den Netzwerkadapter samt Kabel da, ja den haben wir. Der zweite Herr, ich nenne ihn Verkäufer, kommt nach wenigen Suchminuten aus dem mutmaßlich gut sortierten Lager. Der Preis wird verhandelt, die Rechnung beglichen, ich begebe mich sehr gern in die Kundendatenbank. Und einen stummen Ratschlag gibt es kostenlos mit auf den Weg: Man zieht nicht am Netzwerkadapterkabel des Notebooks.
Empfehlen Sie uns weiter, sagt der Verkäufer leise. Gerne. Sage ich so laut ich kann.
phlo Mit Hardware kennen sie sich aber hoffentlich besser aus als mit Webdesign. Die Website ist grauenhaft :( blinkblinkblink
27 November 2008
Café Criolu - Santa Cruz
Ortsteil Igueste de San Andrés, Santa Cruz
16-06-2008
(updated on 17-06-2008)
Der Ozean wirft traege Wellen an den Strand. Nass ist der Sand, schwarzer Sand, umspuehlt vom glasklaren Atlantik. Wo das Anaga-Gebirge nachlaesst, Raum gibt fuer huebsche Haeuschen an gnaedigen Haengen, eine weiss getuenchte Kirche, die allen Dorfbewohnern Platz und Schutz bietet, wo alte Frauen im Schatten ausruhen und lebensklug auf die vielen Treppen, die einzige Strasse und die wenigen Besucher blicken, dort ist Stille. Die Sonne brennt auf reifende Mangos, bluehende Kakteen, unwegsame Pfade in die Hoehen des Gebirges. Die Strasse fuehrt hier in nur eine Richtung, weg von Igueste, und unten am Strand rauscht das Meereswasser ueber die schwarzen Steine.
Dort, am Altlantik steht das Café Criolu. Eine Huette am Strand, die man kennen muss um sie zu finden. Keine Leuchtreklame weist den Weg. Wenn man es findet, durch Zufall oder wissenden Rat, muss man es moegen. Es ist so einfach wie es nur sein kann und es passt in dieses Dorf wie die Treppen und die einsame Huette am Berghang.
Eine Karte gibt es ncht, keinen Kellner, kein Tischtuch; nur selten kommt ein Gast vorbei. Aber was will man in dieser Idylle schon mehr als einen freundlichen Wirt, etwas Schatten und einen Blick auf das fluesternde Meer? Was braucht man mehr als etwas geraeucherten Ziegenkaese, pikant marinierte Tomaten, fruchtige Oliven, Gebaeckstangen und kuehles Wasser oder einheimischen Wein? Eventuell noch einige von diesen Meeresschnecken, die man mit der Stricknadel serviert bekommt oder Fisch, den der Wirt auch eigenhaendig aus dem Atlantik zog. Mehr braucht man nicht. Mehr braucht niemand.
Die Strasse fuehrt hier in nur eine Richtung, hin nach Igueste, und am Strand rauscht das Meereswasser ueber die schwarzen Steine.
Dominique Ich rauche nicht, ich trinke nicht, ich kiffe nicht. Aber Internet muss sein ;-)
17 June 2008
Mariposa - Roswithas Insel-Wanderungen - Puerto de la Cruz
Apartado de Correos 48, Veranstalter: C.B. Gaiatours, 38400 Puerto de la Cruz
16-06-2008
Roswitha macht Urlaub. Im Juli muessen Teneriffas Wanderreisende auf sie verzichten. Irgendwann muss sie Pause machen, auch wenn sie in einer Urlaubsregion arbeitet. Roswitha nutzt ihre freie Zeit und fliegt nach Deutschland. Aus dem Sueden, aus der Naehe von Kempten kommte die blonde Frau. Doch seit 17 Jahren lebt sie dort, wo andere ihre Ferien verbringen: im ewigen Fruehling von Teneriffa. Wenn sie nicht gerade zurueckgebliebene Familienmitglieder oder Freunde besucht, wandert sie mit deutschen Touristen ueber die kanarische Insel.
Einmal bin ich mit Roswitha, die derzeit fuer das kanarische Reiseunternehmen Gaiatours arbeitet, unterwegs gewesen. An einem Freitag, denn an diesem Wochentag bietet “Mariposa” die Tour “Strassenbahnsensation auf Teneriffa” an. 20 Euro fuer einen Tagesausflug - ein guter Deal. Praktisch, dass Roswitha die Fahrplaene der Linienbusse im Kopf hat. Praktisch auch, dass sie Wege abseits der Hauptrouten kennt, die ich allein sicher nie gefunden haette.
Mit im Boot war an diesem Tag noch Karin aus Leipzig, die einzige weitere Wanderin auf Roswithas Tagestour. Zu dritt fuhren wir mit dem Bus nach Osten und erreichten nach 40 Minuten die Universitaetsstadt La Laguna. Dort bestiegen wir die Strassenbahn in die Hauptstadt Santa Cruz. Ich hatte mir eine alte Bimmelbahn vorgestellt und war doch sehr ueberrascht, eine hochmoderne Strassenbahn vorzufinden. Die dem Ausflug namensgebende Sensation ist wohl eher fuer Einheimische spektakulaer denn fuer Touristen. Fuer die Inselbewohner ist die Bahn, die in wieder knapp 40 Minuten die beiden ineinandergewachsenen Staedte verbindet, eine noch recht neue Bereicherung des Alltags. Erst seit 2007 macht die Strassenbahn die Wege von A nach B stressfreier. Interessant an der Fahrt war fuer mich Uraluber das exzellente Tarifsystem. Alle Einheimischen fahren mit der so genannten Bonocard, die teilweise bis zu 50 Prozent guenstigere Fahrten (auf langen Strecken) erlaubt. Ich werde mir die Pre-Paid-Card fuer Bus und Bahn sicher auch zulegen. Die andere Ueberraschung war die Haerte, mit der gegen Schwarzfahrer vorgegangen wird. Man setzt auf Abschreckung und verlangt 400 Euro fuer das Fahren ohne Ticket.
Die oeffentlichen Verkehrsmittel sind der Dreh- und Angelpunkt dieses Ausfluges. Von Santa Cruz ging es weiter mit dem Bus. Es ging am Hafen entlang, wo Frachter und Kreuzfahrtschiffe liegen und Schiffwracks filettiert werden. Der Blick streifte Playa de Las Teresitas. Der weisse Sandstrand ist ein Highlight fuer Badeurlauber, ist er doch eine Besonderheit zwischen all den schwarzen Straenden. Der Teresitenstrand besteht aus Sahara-Sand, wurde kuenstlich angelegt und ist eine Zierde fuer jedes Postkarten-Panorama.
Um das Strandidyll zu sehen, setzt man sich auf die rechte Seite des Busses. Darauf hatte Wanderprofi Roswitha uns selbstverstaendlich hingewiesen. Von dieser Seite hatten wir dann die naechsten 30 Minuten den Abgrund gut im Blick. Wilde Serpentinen hinauf manoevrierte der routinierte Busfahrer um und ueber den Berg, einem Teil des Anaga-Gebirges. In solchen Momenten entdecke ich regelmaessig meine Gottglaeubigkeit. Er war gnaedig, wir landeten wohlbehalten am Ende der Strasse. Das kleine Bergdorf am Meer heisst Ingueste de San Andrés und ist eine zeitlose Idylle. Haeuser, Strand und Aussichtspunkte sind ausschliesslich ueber Treppen erreichbar. Die Einheimischen schleppen ihre Einkaufstueten hoch und runter, die Autos warten an der einzigen Strasse. Das Oertchen ist malerisch, bietet wundervolle Ausblicke auf den hoechsten Berg Spaniens, das Meer, die Hauptstadt und das Anaga-Gebirge. Die vielen Treppen zerrten bei der Hitze an der fehlenden Kondition, aber Roswitha blieb immer wieder stehen, um mit einem Einheimischen zu plaudern oder uns Interessantes ueber Flora, Fauna und Lebensart zu erzaehlen. So wie von dem Robinson, der in einer selbstgebauten Holzhuette am Strand lebt oder dem alten Ziegenhirten, der allein hoch oben ueber der Siedlung haust und der keine Frau in sein Haus laesst. Frauen seien unrein und verderben den Ziegenkaese … am Ende der Welt laechle ich darueber.
Bevor wir den Weg zurueck antraten, den modernen glaesernen Busbahnhof und das avantgardistische Auditorium in Santa Cruz wiedersahen, erholten wir uns in traditionellerem Ambiente. Das kleine Lokal am Strand sieht von weitem sehr provisorisch aus. Geraeucherter Ziegenkaese, Oliven, eingelegte Tomaten aus dem Garten des Wirts sowie die obligatorischen Gebaeckstangen waren die Belohnung schlechthin fuer die Strapazen des Tages. Inselwanderung. Alltag fuer Roswitha, Urlaub fuer Karin und mich. Mit Roswitha laesst es sich wandern. Ich werde es gern wieder tun - wenn sie nicht gerade Urlaub macht.
Wandertouren im Norden Teneriffas - Puerto de la Cruz
Calle del Pozo, ab Estacion de Autobuses (Busbahnhof), Puerto de la Cruz
16-06-2008
Ich fahre nicht gern mit dem Auto, schon gar nicht im Urlaub, schon gar nicht auf Teneriffa, wo eine Serpentine die naechste in Spitzwinkligkeit ueberbietet. Ich bin aber auch kein grosser Fan von Standard-Busfahrten vom Reiseveranstalter. Und wenn ich allein unterwegs bin, habe ich immer das Gefuehl, ich gehe die falschen, die uninteressanteren Wege.
Auf die Loesung fuer mein Problem stiess ich schon vor Reisebeginn in Deutschland, natuerlich im Internet. Es sind die Aussteiger, die Deutschen, die sich im Stadtteil La Paz ein Haeuschen geleistet haben und die ihren Lebensunterhalt damit verdienen, deutschen Touristen die Insel zu zeigen. Es gibt unzaehlige Wanderleiter, allein in Puerto de la Cruz. Die bunten Flyer liegen an jeder Ecke: Roswithas Insel-Wanderungen, Teneriffa entdecken mit Joerg und Marion, Wandern mit Alexander und Katja, Heidi´s Wander-Club, Christianes einzigartige Wandertouren sind nur einige der Anbieter.
An jedem Tag warten die braungebrannten Inselfuehrer am zentralen Busbahnhof und hoffen auf Kundschaft. Das Prinzip ist bei allen gleich. Ohne Anmeldung erscheint man zur angegebenen Zeit am Haltepunkt 6 des Busbahnhofs, sucht Joerg, Frank oder Katja (zu erkennen an ihren Flyern), bezahlt 20 Euro und los geht¨s. Im Gegensatz zu den Reisebuero-Touren, die zwischen 30 und 80 Euro kosten und die mit gecharterten Fahrzeugen unterwegs sind, nutzen die Wanderfuehrer aus Alemane die oeffentlichen Busse. Die Ausfluege beginnen alle gegen 9 Uhr und enden gegen 17 Uhr.
Das Programm der Ein-Mann-Unternehmen ist aehnlich (sogar die Werbezettel sind zwillingsgleich), variiert in Wochentag und minimal im Routenverlauf. Im Wesentlichen fuehren sie zum 3718 Meter hohen Teide, dem hoechsten Berg Spaniens, in den Mercedeswald (Lorbeerwald), ins Anaga-Gebirge, in den Nationalpark Las Cañadas in 2200 Meter Hoehe mit seiner bizarren Kraterlandschaft, ins Teno-Gebirge und in die Masca-Schlucht. Wie gesagt, das Programm ist fast identisch. Einzig der Biologe Cristobal Ulrich faellt aus dem Rahmen. Er bietet reizvolle botanische Fuehrungen an, er besteht auf einer Voranmeldung, hat nur drei Touren im Angebot und verlangt 45 Euro pro Wanderung. Er macht einen sympathischen und kompetenten Eindruck, weshalb er wohl von den Journalisten umschwaermt wird: von Geo, verschiedenen Fernsehteams und diversen Tageszeitungsschreibern. Drehe ich seinen Flyer immer wieder in den Haenden weil Cristobal von der Presse so in den Wanderhimmel geschrieben und gesendet wird? Oder ist es die vornehme Zurueckhaltung, mit der er sein Angebot bewirbt?
Ob der telegene Cristobal einen guten Draht zu den anderen Wanderfuehrern hat, ist mir nicht bekannt. Dass es bei den anderen mitunter zugeht wie beim Denver Clan erfaehrt man schnell. Die Konkurrenz ist gross, waechst stetig und alle hoffen, ihr Auskommen zu haben. Da verschwinden die Werbebroschueren der Mitbewerber, da gibt es Allianzen und schmerzhafte “Scheidungen”: Roswitha lief frueher fuer Heidi, ein maennlicher Kollege klaute Daten, Knowhow und macht jetzt erfolgreich Jagd auf die Kunden des frueheren Arbeitgebers. So oder so aehnlich geht es hinter den Kulissen zu. Dem Urlauber kann das egal sein, er hat eine reiche Auswahl an Routen und stets motivierte und freundliche Wanderfuehrer. Konkurrenz optimiert das Angebot.
Was fuer die Wanderleiter sicher nicht so gut ist, ist fuer die Wanderer umso besser: oft stehen nicht mehr als 3-5 Personen fuer eine Tour am Busbahnhof. Individuelle Betreuung ist inklusive, denn ab zwei Teilnehmern finden alle Wanderungen statt. Und wenn man zu dritt etwas abseits der Reisebus-Touren mit einem orts- wie sprachkundigen Guide unterwegs ist und ein wenig Glueck hat, ist es fast als waere man mit einem Freund irgendwo in der Wildnis. Und man hat das gute Gefuehl, die interessantesten Wege zu gehen.
lokalreporter auf lanzarote gehts unter den residents ähnlich zu, alle gegen alle, jeder gegen jeden.
die meisten der von zuhause fliehenden nehmen halt auch ihre themen, ihr psychodrama mit ins vermeintliche paradies..
16 June 2008
Meyerbeer Coffee Süd GmbH - Mitte
Universitätsstr. 2, 10117 Berlin
04-04-2008
Der Blick lässt keinen Zweifel offen: Ey, du störst! Die lässige Mitteschickse (oder ist sie aus dem benachbarten Prenzlberg?) zieht eine Augenbraue hoch und verformt die schmallippige Schnute als sie wie selbstverständlich nach fünf Minuten aus dem Irgendwo erscheint und mich entdeckt. Die Begrüßung schenkt sie sich, genervt knallt sie den Pappbecher mit der braunen Brühe zum Eigenkonsum auf den Tresen, den sie gerade an den Mund führen wollte. Sie knallt dosiert, nichts schwappt über. ‘Meeeennsch, wieder nix mit Kaffeepause. Wenigstens das muss doch drin sein. So ein beschissener Job … Schon wieder so eine ätzende Latte-Tante!’ Nirgends auf der Welt wird angenervte Arroganz/Ignoranz so offen zur Schau getragen wie im Meyerbeer Coffee in der Universitätsstraße. Behaupte ich.
Ich gehe trotzdem gern hin. Weil der Kaffee schmeckt und, zumindest dem Gefühl nach günstiger ist als bei der Coffeeshop-Konkurrenz. Und weil es mir Spaß macht, die Anti-Attitüde der Kaffeekocherinnen zu kitzeln und die dunklen Mächte etwas zu ärgern.
Damit nicht genug. Manchmal wird zusätzlich der Raumtemperaturregler so hoch gedreht, dass man es kaum aushält. Das weckt zusätzlich meinen Trotz und gefällt mir deshalb besonders, weil ich dann immer das Gefühl habe, ich habe das Schlimmste des Tages hinter mir, wenn ich nach dieser Attacke auf mein frohes Gemüt wieder auf den Bürgersteig trete. Vorher knalle ich in ruppiger Manier die Tür ins Schloss und schweige listig mein “Tschüss, bis zum nächsten Mal” in Richtung Tresen.
Ich komme wieder, seid euch sicher! Mich werdet ihr nicht los mit ein wenig Unhöflichkeit.
Nil Restaurant - St. Pauli
Neuer Pferdemarkt 5, 20359 Hamburg
30-03-2008
Es gibt Abende im Nil, die sind langweilig. Sterbenslangweilig. Das Auditorium (verwöhnt, kritisch und eventverwöhnt) lauert und wartet und erhält doch nur feinste Speisen und aufmerksamen Service fürs Geld. Giovanni, der gewiss nicht so heißt (aber aussieht und klingt als heiße er so) serviert das Menü das Monats, schenkt Wein nach und Mit-Eigentümerin Elisabeth, sie heißt wirklich so, spricht, gelegentlich darum gebeten, mit Souveränität hervorragende Empfehlungen aus. Der Speisenaufzug arbeitet tadellos, alle Reservierungen sind perfekt, die Köche sind bester Laune und kochen mit gutem Schwung für den gehobenen Geschmack. Nichts passiert.
Elisabeth hält sich dezent im Hintergrund. Die Dame am besten Tisch des Hauses (unten am Fenster) soll sich nicht gedrängt fühlen. Man sieht ihr an, sie ist eine geübte Feinschmeckerin und der Herr ihr gegenüber steht ihr sicher in nichts nach. Sie gehen gern und oft essen und haben ihre Rituale, bemerkt Elisabeth. Eines ist, dass sie aufmerksam die Karte studiert und den Herrn am Ende für sie wählen lässt. Ein anderes Ritual hat sicher mit der kleinen Fotokamera zu tun, die in Hab-acht-Stellung auf dem Tisch liegt. Elisabeth lächelt in sich hinein und nimmt die Bestellung auf. Von der Dame, dem Herrn, die nach der Satzmelodie Gäste sind in der Stadt, und dem zweiten Herrn am Tisch, der nach Dialekt und Verhalten Hamburger ist.
Das Pärchen am Geländer auf der Empore passt nicht ins Bild. Das sehen die geschulten Augen sofort. Ihnen fehlt … ja, was eigentlich? Gelassenheit vielleicht. Sie schauen sich an, schauen sich um, kosten etwas verstohlen vom Teller des anderen, staunen über die Signets auf den hauseigenen Gläsern und behalten die Tür im Auge. Also kleckert Giovanni, der sie diskret beäugt, etwas Rotwein aufs Tischtuch, um entspanntes Ambiente zu zaubern. Sein schelmischer Blick tut den Rest – der kleine Trick gelingt. Der Tisch ist gerettet, von den jugendlichen Gästen fällt die Anspannung noch ehe der erste Gang des Monatsmenüs serviert wird.
Im Erdgeschoss hat ein einzelner Herr einen Viertisch besetzt. Er hatte bei der telefonischen Reservierung darauf bestanden. Die junge Kellnerin, die ihn an diesem Abend bedient, bringt nun bereits den vierten Latte Macchiato. Der wohlgeschäumte Kaffee kommt, der Gast schaut nur kurz auf und vertieft sich sofort wieder in die mitgebrachten Papiere, die er unablässig beschreibt. Statistiken sind es. Er kritzelt Zahlen, addiert und erstellt seltsame Listen. Die junge Kellnerin, eine angenehm zurückhaltende Person, nimmt all ihre Professionalität und Gewitztheit zusammen und empfiehlt dem Gast mit einem Lächeln in der Stimme: „Wie wäre es vielleicht mit einer Portion unserer hervorragenden Schokoladentarte zum Kaffee? 400 Kalorien, 125 Gramm; in sieben Minuten stünde es zur statistischen Inspektion vor Ihnen.“ Der Herr hält inne, schaut auf, dieses Mal für einen langen Augenblick. Dann plötzlich lächelt er, bestellt und fragt die errötetet Kellnerin: „Wie heißen Sie?“ Verblüfft nennt sie ihren Namen. Als sie nach exakt sieben Minuten mit der Bestellung an den Tisch zurückkommt, steht ihr Name auf der Liste. Der Liste der interessantesten Kellnerinnen der Welt.
Käsekuchen steht in diesem Monat leider nicht auf der Karte. Der Herr, der unter dem tief dekolltierten Leuchtbild sitzt, hat Verständnis. Er ist aus geschürter Neugier ins Nil gekommen, hat davon gehört, dass man hier vorzüglich isst, vorzüglich sitzt. Er ist trotz fehlenden Kuchens sofort überzeugt. Giovannis italienischer Gesichtsausdruck stimmt ihn froh. Wie könnte er sich von ihm nicht auf herzhaft umstimmen lassen? Er bestellt Kalbscarpaccio mit Birnen-Limettensalsa und Pecorino. Er hat es keine Sekunde bereut. Als später der Rosenverkäufer das Etablissement betritt, greift er nach den Münzen in seiner Hosentasche.
Jeder Tisch ist besetzt an diesem sterbenslangweiligen Abend. Die Gäste genießen die erlesenen Kreationen, entspannte Tischgespräche mischen sich zu einer gefälligen Melodie, einem kulinarisch inspirierten Konzert der Haute Cuisine.
Ein Abend im Nil. Keine Panne, kein Patzer, nirgends. Nichts zu tun für den Inhaber, der entspannt an der Bar sitzt und später in sein Büro in der obersten Etage verschwindet, um die Karte für den nächsten Tag zusammenzustellen. Ein kurzer abseitiger Blick auf das Empfehlungsportal, dessen Aufkleber draußen an der Tür klebt, sagt dem Chef, dass auch hier nichts los ist heute. Keiner schreibt, keiner punktet, keiner kommentiert. Langeweile im Internet. Die Community ist unterwegs, entdeckt vielleicht ein neues Café oder eine Restaurant.
Das spannende dieses Abends bleibt im Verborgenen. Der Chef bemerkt die Blicke nicht, die ihn den ganzen langweiligen Abend begleiten: vom Tisch am Fenster, von dem Pärchen am Geländer, dem Statistiker im Erdgeschoss. Er fragt nicht nach einem Zusammenhang, wie auch keiner der insgesamt 89 Gäste nach dem geheimen Zusammenhang fragt. Niemand ahnt, was sie alle miteinander verbindet, jeder ist auf seiner eigenen ahnungslosen Erkundungstour.
Der Abend geht dahin und zufriedene Gäste verlassen das hohe Haus. Bevor der Herr, der den Käsekuchen verlangte, dem Nil den Rücken kehrt, übergibt er Giovanni die Rose. „Für den Chef“, sagt er dem Kellner. „Sagen Sie ihm, es war ein herausragender Abend.“ Giovanni stutzt. Der Gast lächelt sanft. Er kennt das Spiel genau, er beobachtet es schon lange. Er ist der einzige, der den Zauber dieses Abends versteht. Im Nil. In Hamburg. Bei Hotzenplotz.
Naturkaufhaus - Strausberg
Herrenseeallee 15, im Handelscentrum, 15344 Strausberg
29-03-2008
Es gibt Geschäfte, die sind wie eine Schatzkiste - randvoll mit interessanten und schönen Dingen. Sie sind selten in der absatzoptimierten Konsumwelt, die angefüllt ist mit langweiligem, nutzlosem, uninspiriertem, geschmacklosem Tand. Habe ich einen solchen verwunschenen Ort wie das Naturkaufhaus gefunden, mäandere ich gern an seinen Auslagen vorbei, nehme Dieses und Jenes in die Hand und überlege, was davon mir den Moment verschönern könnte.
Nichts im Naturkaufhaus wird mein Leben verändern. Ich werde kein besserer Mensch, weil ich schonend gebügelte Naturseide kaufe oder Klangschalen aus Tibet, eine Getreidemühle, Räucherstäbchen, handgeschöpftes Papier oder ein Windmühlen-Tranchiermesser für die bewusste Vollwertküche. Weil ich das weiß kann ich durch die Gänge des geräumigen Geschäfts schleichen, mich über die Amuse Bouche freuen und am Ende unbeschadet den Ausgang erreichen.
Wie jeder Schatz hat auch dieser seinen Wert. Drücke ich mich verständlich aus? Es ist teuer, meine ich. Ich würde deshalb gern wissen, wie oft der Gedanke seit der Eröffnung Ende Februar 2008 bereits gedacht worden ist: Das hält sich niemals in Strausberg! Ich gebe zu, ich habe ihn auch gedacht. Mit etwas Wehmut jedoch und mit einem Fragezeichen am Ende. Doch jener Unternehmer, der die Schatzkiste öffnete, verspricht langen Atem. Es ist der Betreiber des Handelscentrums und hat bereits mit dem Naturkaufhaus in der Schloßstraße in Berlin gelernt was unternehmerische Geduld ist.
Mit leuchtenden Augen nahm ich bei meinem ersten Besuch übrigens ein Juwel aus der Truhe, das mir seitdem mit seinen verspielten Melodien in den Ohren klingt: eine CD mit französischen Chansons. Was werde ich wohl beim nächsten Mal finden?
EmKa_RuKa Auch ein besonderer Genuss, dieses zu lesen. Ich sehe Dich förmlich vor mir, “mäandernd an den Auslagen vorbei”. Ein Shoppingerlebnis der besonderen, natürlichen Art. Viel Spaß beim nächsten Besuch und danke für diesen lesenswerten Beitrag. ***
29 March 2008
Handelscentrum Strausberg - Strausberg
Herrenseeallee 15, Centermanagement, 15344 Strausberg
01-08-2007
(updated on 29-02-2008)
Ich kenne Peter Fritz nur aus der Zeitung. Schade eigentlich. Der Mann hat Pläne und Ideen und die Fähigkeit, sie umzusetzen. Oder er ist zumindest ein guter Geschäftsmann. Peter Fritz ist der Kopf einer GbR, die unter anderem die Bahnhofspassage in Bernau und das Handelscentrum in Strausberg betreibt. Ich würde sehr gern mal mit ihm Kaffeetrinken.
Das Handelscentrum ist in der Stadt nicht unumstritten. Es ziehe die Kaufkraft aus der Strausberger Altstadt ab (was sicher stimmt), terrorisiere die Anwohner mit regem Anlieferungsverkehr (mag sein) und konterkarriere wie jede dieser Malls überhaupt jegliche Einkaufskultur (hm).
Meckern kann jeder. Einen Einkaufsstandort zu entwickeln und gegen die Konkurrenz der Umgebung zu wappnen, ist schon schwieriger. Unlösbar gar für andere Strausberger Möchtegern-Macher.
Peter Fritz gestaltet seit Ende der 90er Jahre Shopping-Alltag in Strausberg und scheint immer ganz ruhig zu bleiben, wenn sie wieder alle über ihn herfallen, die Einfältigen, die Unwilligen, die Neidischen, die Bedenkenträger in den politischen Gremien. Mit seiner Geschäftsführerin an der Seite träumt er dann versonnen von neuen Einzelhandelsflächen, neuen Wegen, neuen Angeboten. Und nach und nach setzt er alles um.
Gerade hat es wieder mächtig gerappelt in der Kleinstadt-Mall. C&A hat eröffnet, der angeblich größte Naturwarenmarkt Europas (oder Deutschlands?) bittet die Konsumenten zum Schauen und Kaufen, der Buchhändler hat umgestaltet und Sitzmöglichkeiten aufgestellt, vier Bekleidungsgeschäfte sind neu, ein riesiger Drogeriemarkt und eine große Elektronikkette machen neuerdings ihre Offerten. Und Edeka. Wer hätte gedacht, dass man an Kassen eines scheinbar überdimmensionierten Frischemarktes immer auf Abkassierung warten muss weil er so gut frequentiert ist?
Ich staune und sage: Weiter so!
Es sind die Fantasten, die die Welt in Atem halten, nicht die Erbsenzähler.
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