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Arirang - Eidelstedt
Alte Elbgaustrasse 5, 22523 Hamburg
17-02-2012
Nach Eidelstedt kommt man als Zentralhamburger eigentlich eher selten – und ich persönlich wundere mich immer wieder, wie dieses Dorf vor 100 Jahren ausgesehen haben mag, mit den wenigen kleinen Villen, die hier stehen und die mittlerweile in ein nicht sehr schönes Chaos aus Straßen, Autobahnen und Bauten der 1960er bis 1980er eingewachsen sind. Höhepunkt ist der “Eidelstedter Markt”, der zwar vermutlich wieder alle Architekturpreise abgesahnt hat, aber Auge und Seele wenig bietet. Ohne große Erwartungen aber mit viel Hunger betraten wir hier das im Hintergrund an einer Grünfläche gelegene Restaurant Arirang, das dann einige positive Überraschungen bot.
Vor allem der Service weicht deutlich vom durchschnittlichen asiatischen Restaurant ab: Freundlich, sehr direkt und in perfektem Hamburgisch begrüßt uns eine nette runde Koreanerin, die immer wieder liebevoll bei uns auftaucht und sich nach dem Befinden erkundigt. Was uns aber noch mehr überzeugt, sind politische Bekundungen auf der kleinen Tischkarte. Hier wird unter Verweis auf Armut und Katastrophen einerseits bekundet, dass die Betreiber 1% ihres Umsatzes für Wohltätiges spenden und vor allem wird andererseits der Gast unmissverständlich aufgefordert, sich am Buffet nicht mehr zu nehmen, als er essen kann, da Reste angesichts von Umweltschäden und Armut etwas sehr Bösartiges sind.
Was toll ist: Hier wird ein Zuschlag berechnet, wenn man etwas auf dem Teller liegen lässt. Samt auf meiner Seele – hasse ich doch die vermutlich notorisch bekannten Buffet-Futterpaniker mit Bierbauch, die mit Schlabber-Sweatshirt und Aldiletten zum Buffet schlurfen und in wahrer Fresswut ihren Teller so beladen, dass sie ihn kaum zum strategisch günstig nebenan gewählten Tisch schleppen können. Besagte Killermaschinen fressen dann ja bekannterweise so lange, bis das Futter in der Speiseröhre steht und rechnen dann befriedigt aus, dass es sich für sie ja echt gelohnt hat, 2 Kilo Fressen für 7 Euro – und sie blicken auf weniger" Leistungsfähige" herab. Und lassen gern mal ein Pfund liegen. Kostjanix. Nun ja – mit dem hiesigen Buffet wird man zwar der Völlerei und dem konsekutiven Umweltschden durch reine Überflussfresserei nicht Einhalt gebieten, aber der Extraobolus sorgt für leere Teller.
Die kulinarische Qualität tut dieses dann nur teilweise – das Mittagsbuffet für 7,90 Euro bietet die Gelegenheit, die Küche genau kennenzulernen. Immerhin ca. 20 Gerichte kann man frei auswählen. Und hier reicht die Qualitätspalette von klasse bis mangelhaft. Uneingeschränkt zu empfehlen waren im Prinzip alle frischen Gerichte mit Gemüse und Fleisch, hierbei sehr gut das scharfe Rindfleisch und das Huhn in Kokossauce, gut das Schweinefleisch mit Gemüse. Nicht gut war Ente und Pute mit Gemüse, offenbar aufgewärmt vom Vortag mit steinharten Entenstreifen – das war mangelhaft, leider. In Ordnung aber keine Offenbarung waren alle frittierten Speisen: Entenstücke, Pute, Banane, koreanische Teigtaschen, essbar, aber ohne Raffinesse. In jedem Fall in Ordnung bis gut waren Bratreis sowie die Sushi-Auswahl mit vielen verschiedenen Makis, hierbei war vor allem die Algenauswahl angenehm, schön auch die Ingwersauce.
Das Ambiente ist ruhig und angenehm hell durch die vielen hohen Fenster. Wenn man die 1980er Begleitdudelei (Backgrund-Soundtrack Marke Dieter B) durch etwas asiatisch meditatives ersetzen könnte, wäre es allerdings noch viel schöner.
In der Gesamtsicht kann man hier nicht viel falsch machen, vor allem die initial beschriebenen philosophischen Aspekte erfreuen sehr !
Im Telegramm:
Zubereitung: 3 Sterne
Ambiente: 3-4 Sterne
Service: 5 Sterne
Preis/Leistung: 4 Sterne
Philosophie: 5 Sterne
Uptowngirl Den Extraobolus für nicht Verzehrtes finde auch ich äußerst begrüßenswert. So etwas sollten alle Buffetanbieter einführen!
1 day ago
meme Sehr gute Idee der Betreiber – Hochachtung. Dieter B. würd’ mich schon abschrecken, aber ansonsten hört sich das doch wirklich ganz gut an. Man kann ja schauen und wählen, was man dann isst – kleine Probierbröckchen inklusive.
14 hours ago
Kiosk - Othmarschen
Liebermannstraße, 20095 Hamburg
10-02-2012
Othmarschen ist schon ein besonderer Stadtteil. Von außen wird er immer (und auch lange Zeit sah ich es so) als weißvillenveredeltes Wellnessviertel der distinguierten und leisen Reichen der hanseatischen Kaufmannselite wahrgenommen, ein undurchsichtiges Gewirr aus kleinen Sträßchen mit großen Anwesen hinter Rhododendren, allein aufgrund der Miet- und Grundstückspreise für Normalsterbliche höchstens bei einem Elbspaziergang kurzfristig und passager zu beschauen.
Nun ja, nachdem ich ja durch meine Qype-Millionen (hö) zu Reichtum und Ruhm gekommen und hierher umgesiedelt bin, stellt sich die Sache anders dar. Hier leben (auch) normale Leute) und das ganze ist ein einziges Dorf, in dem trotz der Größe ganz viel intern und unter sich abgemacht wird. Informationen kriechen durch die Parkstraßen und eh man sich versieht wird man mit Namen gegerüßt ohne sich vorgestellt zu haben. Anfangs unheimlich, mit der Zeit aber sehr angenehm, da man sich schnell inetegriert und sehr persönlich wahrgenommen fühlt, nach all meinen Jahren in Szenevierteln, in denen neue Nachbarn bereit waren, das Recht auf die freie Entfaltung der Musiklautstärke gegebenenfalls mit Faust und Messer auszufechten eine neue Dimension, zumal es hier von Natur aus ruhig und grün ist… Und auch in den Läden ist es wie auf dem Dorf.
Hier im Kiosk an der Liebermannstraße kennt die Besitzerin jeden. Jeden? Jeden! Vielleicht nicht mit Namen aber vermutlich mit persönlicher Lebensgeschichte und Vorstrafen. Habe ich erst auch nicht geglaubt. Nachdem ich dreimal meine Zeitung bei ihr gekauft hatte (im Abstand von 4 Wochen wohlgemerkt), gab sie mir ohne ein Wort von mir bereits beim Betreten der netten Bude (die wirklich ein alter Kiosk wie früher ist und mich daher anheimelt) die richtige Zeitung in die Hand. Als ich unüblicherweise mal länger weg blieb, wurde ich beim nächsten Mal sofort gefragt, ob alles in Ordnung sei, ebenso wurden neue Besuchszeiten mit gehobener Augenbraue vermerkt. Und es ist nicht so, dass hier nicht viel los ist – die Laufkundschaft ist zahrleich, auch wenn sie meist nicht läuft, sondern im Schnitt um die 60 Jahre alt ist und den dunklen Wagen praktisch direkt vorm Kiosk im Parkverbot abstellen kann.
Das Angebot ist natürlich durchschnittliche Kioskware. Aber mir ist diese nette vermutlich 100 Jahre alte Bretterbude mit diesem persönlichen Bezug hundertmal lieber als all die neuen Service-Stationen, die halogen- und chromblitzend überall aus dem Boden schießen und allesamt gleich zu sein scheinen… (und deren Hauptaufgabe scheint, Jugendliche zum “Vorglühen” mit hochprozentigem Mist zu versorgen…)
coloniaexpress Schöne Beschreibung eines neu erlebten Heimatgefühls.
Und nebenbei bemerkt ist Hamburg auch eine besondere Stadt! Es zieht mich immer wieder hin. Zur Zeit zieht es wieder besonders heftig :-)
10 February 2012
Recyclinghof - Stellingen
Ottensener Straße, (Stellingen), 22525 Hamburg
02-02-2012
Dichten wie UBE werde ich hier nicht, aber auch ich trauere manchmal den alten Tagen nach, als man freundlich am warmen Sommerabenden über den Sperrmüll anderer Menschen wandern und Schätze entdecken konnte. Und damals warfen die Leute ja auch noch echte Schätze weg, weil man es nicht so genau mit der Geldgier nahm. Dann kamen Helmut Kohl und die 1980er mit ihrer Vermarktung auch noch der dreckigsten Unterhose, den Musikern, die keine Musik mehr selbst machen etc. – und dann war der Müll plötzlich Millionen wert. Zuvor kamen allerdings auch noch die menschlichen Müllparasiten, die einem den Strassensperrmüll unleidlich machten, die weißen Transporter mit Sammlern aus östlichen und südlichen Regionen Europas, die teilweise nach meinen eigenen Erfahrungn wirklich bereit waren, für ein erblicktes Beutestück das Messer zu zücken oder gar in die Häuser der Entrümpelnden vordrangen und auf eigene Faust wertvollere Güter entrumpelten (auch persönlich erlebt und wiederholt gehört).
Dementsprechend ist dieses alte verträumte Schatzjäger-Paradies geschlossen worden – der Ersatz kauert heutzutage hier hinter den öden und monströs aufragenden Schornsteinen der Müllverbrennungsanlage, ein Elendsort, an dem es oft furchtbar riecht – aber dennoch muss es ihn geben und ich war bei meinem Umzug sehr froh, dass ich hier schnell und recht verkehrsgünstig alles los wurde, was zu viel war und man mich höflich zum jeweiligen Abwurfort dirigierte. Dennoch wird der Ort nicht mein Hobby – was soll man aber hier besser machen? Allenfalls könnte die Einfahrtskontrolle schneller gehen und vor allem könnte man die einfahrt breiter oder länger machen, denn manchmal staut es sich weit zurück… und für Nichtautofahrer ist das Ganze hier quasi absolut unerreichbar.
Limoncina Ach, früher habe ich auch eine Zeit lang gern im Sperrmüll gestöbert und so manchen Blumentopf und allerlei Kleinkram mit nach Hause geschleppt – schade, dass es das so nicht mehr gibt. Hier in Freiburg ist es übrigens, wie ich angenehm überrascht erfuhr, so, dass man gut erhaltene Sachen einfach vor die Tür stellt mit einem Zettel “zu verschenken”. Ich habe das ein paarmal, skeptisch, getestet, mit einer Kommode, einem Spiegel, einem gerahmten Bild etc – und immer war innerhalb einer Stunde alles weg! Sehr praktisch!
3 February 2012
Spielplatz Holmbrook - Othmarschen
Holmbrook, 20095 Hamburg
20-01-2012
Hamburg hat wirklich eine Vielzahl an Spielplätzen in ganz unterschiedlicher Qualität. Das im Jahr 2011 komplett sehr kostspielig renovierte Areal im Park über dem Elbtunnel lässt nicht viele Wünsche offen.
In punkto Sicherheit hat man hier als Elternteil wirklich wenig Sorgen, sieht man davon ab, dass jedes Kind genetisch natürlich eine Anlage zum Gefahrensucher per se besitzt, die merkwürdigerweise mit der Kondition “Elterntier guckt gerade nicht – also ist der maximale Quatschmachgenerator zu aktivieren” gekoppelt ist. Immerhin sind hier verlässliche Zäune um das ganze Areal, die schnelles Entfliehen auf Straßen verhindern können, außerdem sind viele Spielgeräte mit Sand oder Kunststoffflächen gesichert, so dass Stürze meist glimpflich verlaufen sollten. Abgesehen ist das Areal nur an einer recht ruhigen Straße und sonst im Park gelegen, somit also auch akustisch bis auf Kindergeschrei recht ruhig.
Und auch über mangelnde Sauberkeit kann man sich nicht beklagen. Marodierende Banden Jugendlicher, die Glasscherben und Kippen hinterlassen sind hier ebenso unbekannt wie die sonst so zahlreiche Untergruppe kettenqualmender Gröhleltern, die ihre Fluppenreste in der Sandkiste austreten und gleichzeitig ihren Kampfhund am Würgehalsband zerrend “Kääähvin” brüllen, dafür ist man ja auch hier in Othmarschen… wobei ich sagen muss, dass ich diese mehr als nervige Art von Eltern nicht nur in Problemstadtteilen sondern zumindest in Teilaspekten auch in Planten un Blomen und sogar Eimsbüttel auf Spielplätzen erlebt habe.
Die Gerätschaften bieten viel Abwechslung, zwei Rutschen, eine sehr hoch, eine kleinkindgerecht, eine Wasser-und-Matsch-Anlage, die immer sehr begehrt ist, Schaukeln für größere Kinder und für Säuglinge, ein raffiniertes Karussell, das auch mit Rollstuhl benutzbar ist, diverse Gerüste, ein schöner halber Schiffsrumpf zum Beklettern und Verstecken, einige Kletternetze, allerlei Kleinspielgerätschaften zum Wippen und Schaukeln, künstliche Hügel, und wie gesagt viel Sand zum Buddeln und Wühlen und Wälzen.
Drum herum Bäume und Gras, die Sonne kommt gut heran, so dass sich Eltern auf den Bänken auch gut aufwärmen und sonnenbaden können. der Platz wurde schnell nach Eröffnung sehr beliebt, zumal gerade eine Menge neuer Familien am Othmarscher Kirchenweg gesiedelt haben, dennoch ist es selten überfüllt.
Saturn Electro GmbH - Osdorf
Julius-Brecht-Strasse 12, 20095 Hamburg
13-01-2012
Nach wie vor bin ich kein Freund großer Ladenketten – bei Elektrogeräten und Computern aber haben mich die Riesen zumindest teilweise durch die kundenfreundlichere Preisgestaltung überzeugt; auch wenn der Service teilweise nicht perfekt ist, sind doch die Sonderangebote nach Preisvergleichen kaum schlagbar, wenn man noch ein Exemplar des Angebotes abbekommt So zumindest gerade geschehen – und der neue und seit langem überfällige energiesparende Kühlschrank kostete hier im Angebot tatsächlich temporär über 30% weniger als bei allen anderen Anbietern, da lohnte es sich dann auch noch, die Garantie per Sondervereinbarung gegen ein Aufgeld auf 5 Jahre zu verlängern, das gibt ein besseres Gefühl…
Das Einkaufsgefühl in diesem Märkten bleibt ein wenig klaustrophobisch und agoraphobisch zugleich: riesige Hallen lassen Grenzen und vor allem die Sichtweite des Ausganges vermissen, dafür sind die Gänge oft so eng, dass man sich aneinander vorbei drängeln muss. Immerhin ist es hier im Elbe Einkaufszentrum nicht so übel laut und überfüllt wie in den Hallen in der Innenstadt und ein Vorteil gegenüber der dortigen Hauptfiliale besteht darin, dass hier alles auf einer riesigen Ebene ist.
Ebenfalls besser als an der Mönckebergstrasse: Die Beratung. In diesem Fall auch ein wenig anekdotisch: der Verkäufer sprach mit einem frischen französischem Akzent. In einer Zeit, in der jede handysellende Dumpfcheek Anglizismen und gezielt unverständliche Protztechnologismen in den auditoriellen Äther seiner wehrlosen Opfer tromboned, ist es wunderbar, ainen Värkäufär zü aben, welchär sisch mit eine sö scharmonte aksson in die kommunikassion begebt. Tres charmant. Wir aben dann auch abgekauft ihm dieses refigerateur.
Limoncina Ha, sicher war es nur der süße fronssösische accent, der den Laden charmanter gemacht hat, lach! Ich gehe gar nicht gern zu Saturn: voll, eng, ja, man kann sich wirklich klaustrophobisch fühlen, und – nach meiner Erfahrung – sehr schlechte, inkompetente oder gar unwillige Beratung.
14 January 2012
Ortsamt Barmbek Uhlenhorst - Barmbek-Nord
Poppenhusenstraße 6, 22305 Hamburg
12-01-2012
Immerhin, es ist nicht mehr wie vor 30 Jahren, als ein Großteil von graugesichtigen Beamten in erster Linie damit beschäftigt waren, einem im Schneckentempo nach gefühlten Tagen zu erklären, warum welcher Antrag nicht bearbeitet werden könnte, und wie viel Extraanträge man vorher bei wie vielen Zimmern mit ähnlichen Graugeistern abholen dürfte und dass die Öffnungszeiten im Prinzip immer übernächste Woche von 12 bis 12.30 Uhr seien.
“Serviceorientiert” ist man heute. Aber nach wie vor hat das deutsche Amtswesen eine Flut von Formalvorgängen nicht benutzerfreundlicher gestaltet, bzw. führt einfach die Vorschriften aus grauen Vorzeiten mit einem antrainiert freundlichen Lächeln durch. Klar, gibt es auch für alles eine Begründung, die irgendwelche Eventualitäten anführt, die sich vermutlich irgendwann einmal um 1958 ereignet haben. Wie auch immer – eigentlich wollte ich ja nur heiraten. Und das “nur” wird hier mit der amtsüblichen Betonung gesprochen. Denn “nur” gilt im Prinzip in der Sprache der deutschen Ämter allgemein als unzulässige Beifügung zu einem behördlichen Vorgang. Wer also im Internet die Informationen abruft, was sie und er denn alles vor Verehelichung an Papieren anzubringen haben, schlackert erst einmal mit den Ohren und überlegt dann eventuell vergeblich, warum immer alles so kompliziert ist.
Und wenn man dann auch schon Kinder in die Welt gesetzt hat, wird es gleich um ein paar Gramm Papier komplizierter. Aber in der Gesamtsicht muss man ja achon zutiefst dankbar sein, wenn man als deutscher Staatsbürger geboren ist – man versteht nämlich deutlich mehr als die Neuankömmlinge und hat vor allem nicht annähernd die Menge an Papieren beizubringen wie diese armen Menschen. Also will ich gar nicht klagen (oder nur ein ganz bisschen…).
Um zum Punkt zu kommen: Eines der Papiere, die zu erbringen sind, ist eine Abschrift aus dem Geburtenregister. Das heisst, man geht mit seiner Geburtsurkunde zu dem Standesamt, in dessen Bezirk man geboren ist und holt dort praktisch eine beglaubigte Abschrift ebendieser Urkunde ab, nur dass dabei ein Zusatzvermerk ist, dass sich seit der Geburt nichts an Namen oder weiteren Dingen geändert hat – dass man nicht adoptiert wurde, geheiratet hat oder gestorben ist oder sonst etwas unzulässiges gemacht hat ohne das zu melden. Dass der frisch ausgestellte Personalausweis dafür nicht ausreicht, kann keiner erklären – aber vermutlich könnte man ja schnell noch in irgendeinem Standesamt (ohne Internetanschluss und Telefon in einem abgelegenen Tal) geheiratet haben, dass vielleicht noch schneller ist als das hiesige und den Ausweis nicht geändert haben? Skurrile Ideen, aber das Beamtenwesen bringt einen auf so etwas…
Das Problem hier in Barmbek war nicht, die Urkunde zu bekommen (auch wenn meine Paranoia mit immer einredet, dass im Moment, wo ich nach Stunden Wartezeit beim Sachbearbeiter bin, man mir sagt, das die entscheidende Urkunde fehlt, oder dass ich gar nicht im Register stehe etc…), ich bekam sie tatsächlich. Und man war auch freundlich zu mir.
Problematisch aber finde ich, dass man in dem flugzeughangarähnlichen Hallenraum alle anstürmenden Massen erst einmal schlangenweise an zwei Tresen warten lässt. Im Stehen! Der Tresen für das Standesamt bearbeitet dann direkt das Anliegen, am Bezirksamttresen wird man dann in die zuständigen Abteilungen sortiert. Heute wartete ich hier etwa 30 Minuten – für die Bearbeitung fand ich das vollkommen in Ordnung, wenn ich aber für das Bezirksamt 30 Minuten nur auf den Lotsendienst hätte warten müssen um dann weiter hinten erneut eine Wartenummer zu ziehen, wäre ich vermutlich ausgerastet. Wirklich ein unnötiger “Service”. Vor allem die Tatsache, dass auch alte Leute hier lange stehen müssen, finde ich in der Zeit der Wartenummern erbärmlich! Und das führt trotz aller sonst befriedigenden Lesitungen zu diesen nicht befriedigenden zwei Sternchen…
Zum Glück darf ich jetzt dann auch bald meine Liebste heiraten. Und die unromantische Papierflut dann hoffentlich auf ewig in dicken Ordnern verstauben lassen….
Kiosk in der Asklepiosklinik Altona - Altona
Paul Ehrlich-Strasse 1, 20095 Hamburg
09-01-2012
Eigentlich müssten Krankenhauskiosks generell Goldgruben sein. Nirgendwo gibt es so eine Menge an Klientel, die auf ein Monopol angewiesen ist, weil die Mobilität fehlt, die Konkurrenz zu erreichen- Naja, nicht norgendwo. Vermutlich gibt es diverse Dörfer zum Beispiel im Polarkreis oder Burkina Faso, in denen es exakt einen Laden gibt, der alles zu jedem Preis verkaufen kann, weil keiner für ein Gurke oder eine Zeitung 100 Kilometer laufen oder Motorschlitten fahren will (letzeres dann eher in Norwegen als Afrika, versteht sich). dennoch ist für einen Krankenhausinsassen der nächste Kiosk ähnlich unerreichbar wie für jene Bewohner irdischer Periperherien. Eventuell liegt es daran, dass man sich hier scheinbar kaum Mühe gibt. gelegentlich kaufe ich hier eine Zeitung – aber jedesmal schlägt mir eine Wolke von dumpfer Demotivation entgegen. Wo andere Kioskverkäufer grüßen, steht man hier in der Regel als Verkäufer weit weg hinter dem Tresen, in 50% der Fälle wendet sich Verkäuferin ab und macht irgendetwas undefinierbares an irgendeiner dort befindlichen Apparatur (Schwarzkasse? Illegales Lager für im Krankenhaus nicht erhältliche Suchtmittel? Kaffemaschine?). Nach mindestens 30 Sekunden, oft mehr wendet man sich dem irgendwie unerwünscht wirkenden Kunden zu. Hörbare Kommunikation kommt da meist nicht. Lautloses Grunzen? Wie auch immer, selbst wenn ich mein Anliegen dann vortrage, wird meist kaum geantwortet. Meist lege ich dann nur das abgezählte Geld auf den Tresen, wedele mit meiner Zeitung und sage in Slow Diction den Namen der Zeitung und dass es ein Exemplar ist und dass das Geld jetzt hier liegt. Und Tschüss sage ich dann auch. Beantwortet wird auch das alles meist mit einem beredtem Schweigen. Gelegentlich höre ich aber auch mal verbale Kommunikation und die ist dann auf Deutsch und lässt mich die These verwerfen, dass hier nichtgermanischsprechende Taubstumme Adepten einer nur mit 3D-Brille sichtbaren Gebärdensprache verkäuflich fungieren. Und die Tatsache, dass hier auch einmal pöbelsprachigen maximalübergewichtigen Bild-Lesern mehr Worte als mir gewährt werden, verwirft die These, dass mein übler Anblick den armen Verkaufssklaven die Sprache verschlägt – vielleicht wirkt aber auch der Anblick jener Kolosse, die den Aufzug vermutlich eher durch Schwerkraft als durch Knopfdruck ins Erdgeschoß bugsiert haben, dahin, dass man lieber schnell ein paar Worte macht um sie nicht mehr zu sehen? Wie auch immer – dieser Ort ist nicht für mich geschaffen, wie es scheint.
Und das Angebot könnte auch ein wenig breiter sein – hätte ich ein derartiges Monopol, würde ich vermutlich viel mehr und viel interessanteres anbieten, da ich genau weiß, wie sehr sich Krankenhauspatienten nach Abwechslung sehnen, und dass sie bereit sind, auch einmal mehr Geld auszugeben, da der stationäre Alltag wenig Lust und Vielfalt bietet, und man nach wenigen Tagen mürbe ist und bereit, jeden etwas von der Regel abweichenden Luxus mit viel Geld zu erkaufen…. tja, wirklich nicht sehr geschäftstüchtig, die Leute hier, aber offensichtlich reicht es auch so…Philipp Elph Fürchterliche Einrichtungen, diese Kioske. Ich erlebte als Besucher scheußliche Blumensträuße, die man den Patienten mitnehmen kann. So, als würde man zur Beerdigung gehen.
9 January 2012
coloniaexpress Stimmt, das ist schon sehr merkwürdig, vor allem, weil es irgendwie in allen Krankenhäusern dieses Landes gleich zu sein scheint.
Ich habe da so meine eigene Theorie entwickelt, die die Sache satirisch betrachtet: Es gibt hier fast ausschließlich Laufkundschaft, keine Stammkunden, warum also Energie für Freundlichkeit verschwenden? Diese Kundschaft ist entweder fürchterlich in Eile (Besucher) oder krank und jammert (Insassen) ständig rum. Manchmal gehen hier verwirrte alte Leute einkaufen und freuen sich, wenn Sie einen Menschen sehen, dem sie ihr Leid mitteilen können. Deshalb hat das Personal die Kommunikation ganz eingestellt, um nicht den ganzen Tag von tratschenden und jammernden leuten belagert zu werden, die den Zeitungskauf nur als Vorwand benutzen; die sollen schließlich das Bistro bevölkern und dort Umsatz generieren.
Und so betrachte ich Krankenhauskioske wie Besuchertoiletten, das sind auch Notdurftanstalten.
10 January 2012
Greenwich Market - Greenwich
Nelson Road, Greenwich, London SE10 9JA
07-01-2012
Ich muss leider gleich zu Anfang gestehen, dass ich schon eine ganze Zeit nicht mehr in Greenwich war und daher eher aus nostalgischen erinnerungen berichte. Ich kann mich gut erinnern, wie in den 1980ern langsam die ursprünglich individuell gestalteten und anarchischen Strukturen von Camden Lock und anderen Flohmarktquartieren in touristische Attraktionen transzendierten. Als ich in den 1990ern eine kurze Zeit in London lebte, war dieser Trend schon sehr weit gediehen – und da waren die Hallen in Greenwich eine schöne Abwechslung und sind es auch heute noch in gewissem Maße. Denn auch wenn viele Besucher aus dem Ausland Greenwich wegen seiner Tudor-Vergangenheit und der geographischen Bedeutung ansteuern, kommen doch nur wenige Touristen wegen der Markthallen. Die Shoppingtouristen (die mit Billigtouren oft nur fürs Wochenende nach London kommen) scheuen doch den weiten Weg hier hinaus und wissen oft nicht um die Vorzüge dieser Märkte. Zu unrecht. denn allein eine kleine Schiffstour von Central London nach Greenwich ist bei schönem Wetter wunderbar. Und die alten Hallen der ebenfalls sehr traditionsreichen Märkte am Ort stammen aus der Gründerzeit und sind an sich schon sehenswert. Viele Londoner kommen hier vor allem am Wochenende zum Einkaufen – begehrt sind die frischen Delikatessen, ich für meinem Part habe hier oft sehr originelles und gut gearbeitetes Kunsthandwerk gesehen aber auch gern nach alten Büchern gestöbert und dabei die gute Atmosphäre genossen und eine Kleinigkeit an einem der zahlreichen Stände gegessen – Ich hoffe, dass es auch bei meinem nächsten Besuch (wann immer der ist) noch so sein wird wie früher – aber London ist natürlich so im Wandel, dass sich immer einer wünscht, dass das erhalten bleibe, was die neuen Generationen schon widerer verteufeln. Wobei ich letztens in Hamburg auf einem Flohmarkt eben einige indische Klamotten von ebendiesem Markt verkaufte und bei ca. 20-jährigen Neo-Revival-Hippies wahnsinnig damit punktete, als ich erwähnte, dass das “echte” Stücke aus Greenwich aus der Zeit um 1990 seien, nun ja, alles hat seine Perspektiven…
Die Hallen wurden übrigens schon um 1840 hier errichtet, die imposante Dachkonstruktion stammt allerdings aus der Zeit um 1900. Montags und Dienstags ist hier kein Betrieb – Einheimische empfehlen das Wochenende vor allem, weil dann mehr kulinarische Höhepunkte vor Ort sind….
HNO-Ambulanz in der Asklepios Klinik Altona - Altona
Paul Ehrlich-Strasse 1, 20095 Hamburg
04-01-2012
Nasenbluten. Eigentlich harmlos, bekannt aus Kindheit und Karambolagen. Geht spontan weg, im Notfall mit Taschentüchern, kalten Kompressen, Geduld, Entspannung und eventuell auf Kosten befleckter Kleidung. Meistens. Wenn man aber das glück hat, zu den Patienten zu gehören, die aufgrund einer anderen Erkrankung blutverdünnende Medikamente nehmen müssen (oder an irgendwelchen anatomischen Besonderheiten der Nase leidet), dauert das Vergnügen eventuell etwas länger oder gar schier unendlich. Zu lange – und das, ohne auf Hilfsmittel a la Harry Potter zurückzugreifen (diesbezügliches Lieblingszitat der Weasley-Zwillinge: “You bleed until you shrivel up”, zum Glück fliege ich aber nicht auf Besen durch die Gegend.) Nach 12 Stunden Bluten war ich zumindest mürbe, hellblass und hatte genug vom ewigen Wechseln von Tamponaden und das Still-Liegen oder Sitzen ist mit kleinen Kindern im Haus auch nicht so einfach.
Also Aufraffen und ab zur hiesigen Notfallambulanz. Erwartungshaltung: Langes Warten, grauer Korridor, fahles Licht, oberflächliche Behandlung.
…
Was kam, war zum Glück anders. Klar, die Architektur im AK Altona ist gruselig, das Licht wirklich eher wie in DDR-Grenzwartehallen. Aber in der versteckt im 2.OG gelegenen HNO-Ambulanz war man erstens total nett und alles ging schnell. Innerhalb einer Stunde war ich von liebevollen Schwestern aufgenommen, registriert, vermessen, ein ruhiger Arzt war vor Ort, hatte mich mehrfach endoskopiert, Blut abgenommen und schließlich krönenderweise gezielt die blutenden Gefässe der Nasenschleimhaut verödet. Mit Erfolg, die Rinnsale stoppten.
Das elektrische Koagulieren ist übrigens auch mit lokaler Anaesthesie keine richtig schöne Erfahrung, tut etwa so weh wie das Ziehen an einem Zahnnerv, nur ein wenig dumpfer – aber ich bin und war imme der Meinung, dass man absolut dankbar sein muss, dass es heutzutage schnelle und effektive Lösungen für so viele gesundheitlichen Probleme gibt und ärgere mich über all die Mimosen, die sich über die heutzutage in der Relation zu früher minimalen Unannehmlichkeiten von medizinischen Maßnahmen beklagen. Man denke nur daran, wie die Medizin vor nicht einmal 50 Jahren aussah, wie schlecht die Prognose vieler Erkrankungen waren, wie viele Menschen heute gerettet werden können und wie vielen Menschen auf der Welt moderne Medizin und selbst ausreichende Ernährung versagt ist – und dann sieht man übergewichtige junge Patienten, die weinen weil ihnen der Geschmack einer Vorbereitungslösung für eine Darmspiegelung missfällt oder angesichts einer Blutabnahme kollabieren oder sich wahnsinnig anstellen, weil sie es eine Zumutung finden, dass sie im zarten Alter von 70 ein oder zwei Tabletten am Tag schlucken dürfen, die ihre Lebensprognose verbessern….
Also – ich bin sehr dankbar, dass man mir hier so liebenswürdig, effektiv und schnell geholfen hat!
OX19 Anhaltendes und stetiges Nasenbluten, das medizinisch versorgt werden muss, hat meist eine primäre Ursache, Meist sind es Medikamente (≈Blutverdünner) und/oder zu hoher Blutdruck.
Es spricht für den Arzt, dies zuverlässig und hinreichend abgeklärt zu haben.
Dir wünsche ich einen extrem eingeschränkten Taschentuchverbrauch.
5 January 2012
Reformhaus Engelhardt - Osdorf
Julius-Brecht-Straße 6, EG, 22609 Hamburg
01-01-2012
Für diese sonst sehr gehobene Einkaufszentrum ist das Angebot des hiesigen Reformhauses einfach zu schmal. Insbesondere die glutenfreie Abteilung bewegt sich auf dem Niveau einer Provinzbäckerei – man möge sich das vergleichbare Lädchen im Mercado in Ottensen ansehen um wahrzunehmen, dass es auch anders geht. Natürlich ist hier weniger Raum, aber den kann man auch effizienter ausnutzen. warum dem nicht so ist, offenbart die Motivation der hier arbeitenden Menschen: Ich machte eine Verkäferin darauf aufmerksam, dass eine gesamte Regalreihe glutenfreien Brotes nicht mit Preis und Beschreibung versehen war. Im Mercado hätte ein solches zu einem sofortigen hastigen Herbeispringen und Beheben des Problems geführt (bei größerem Laden). Hier traten sich mehrere Angestellte zwar auf die Füße. Man drehte sich aber kaum um um mich beim Fragen anzusehen. Die freundliche Antwort war: “Die Kollegen an der Kassen werden dann den Preis ja wissen!”. Ein wenig Thema verfehlt, hätte man im Deutschunterricht gesagt. In der heutigen Zeit sind Preise, die man erst beim Bezahlen erfährt out, weil eigentlich jeder weiß, dass in der Regel nicht ausgezeichnete Ware meist besonders teuer ist. Und quer durch den Laden zur überfüllten Kasse zu rennen und über die Schlange hinweg zu fragen, wer macht das? Und wie studien ergeben haben, lässt kaum jemand auch ihm selbst überteuert erscheinende Waren an der Kasse zurückgehen. Also entweder ein fieser Trick, aber in diesem Fall nur schlechter Service und absolute Unfähigkeit, über Zusammenhänge nachzudenken. Keine Frage, dass ich das Brot dann nicht mit zur Kasse nahm – wie gesagt, war da eine große Schlange, die dazu noch in recht behäbigem Tempo abgefertigt wurde….
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