Review of das rosa haus by SailorHH

das rosa haus, Beim Grünen Jäger 14, ehemals, 20359 Hamburg

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03-01-2008 (updated on 27-12-2008)

1pxt

Update: Dezember 2008

- seit Sommer 2006 - über zwei Jahre - stehen die Überreste des rosa Haus jetzt - wie zum Hohn - an nicht umkehrbare Tatsachen erinnernt - dort beim grünen Jäger.

hier ein paar Zeilen dazu von Rainer Maria Rilke:

“Wird man es glauben das es solche Häuser giebt? Nein, man wird sagen, ich fälsche. Diesmal ist es Wahrheit, nichts weggelassen, natürlich auch nichts hinzugefügt. Woher sollte ich es nehmen?... Häuser? Aber um genau zu sein, es waren Häuser die nicht mehr da waren. Häuser, die man abgebrochen hatte von oben bis unten. Was da war, das waren die Häuser, die daneben gestanden hatten, hohe Nachbarhäuser. Offenbar waren sie in Gefahr, umzufallen, seit man nebenan alles weggenommen hatte…
Ich weiß nicht ob ich schon gesagt habe, dass ich diese Mauern meine…nicht die Mauer der vorhandenen Häuser … sondern die letzte der früheren. Man sah ihre Innenseite. Man sah in den verschiedenen Stockwerken Zimmerwände, an denen noch die Tapeten klebten, da und dort den Ansatz des Fussbodens oder der Decke… das zähe Leben dieser Zimmer hatte sich nicht zertreten lassen. Es war noch da, es hielt sich an den Nägeln, die geblieben waren, es stand auf dem handbreiten Rest der Füssböden, es war unter den Ansätzen der Ecken, wo es noch ein klein wenig Innneraum gab, zusammengekrochen. Man konnte sehen das es in der Farbe war, die es langsam, Jahr um Jahr, verwandelt hatte: Blau in schimmlisches Grün, Grün in Grau und gelb in ein altes abgestandenes Weiss, das fault. ... Da standen die Mittage und die Krankheiten und das Ausgeatmete und der jahrelange Rauch … Und vieles hate sich dazugesellt, was von unten gekommen war , aus dem Abgrund der Gasse, die verdunstete, und anderes war von oben herabgesickert mit dem Regen, der über den Städten nicht rein ist. Und manches hatten die schwachen, zahm gewordenen hauswinde, die immer in derselben Strasse bleiben, zugetragen, und es war noch vieles da, wovon man den Ursprung nicht wusste.
Ich habe doch gesagt das man alle Mauern abgebrochen hatte bis auf die letzte -? Nun von dieser mauer spreche ich fortwährend. Man wird sagen ich hätte lange davor gestanden; aber ich will einen Eid geben dafür, dass ich zu laufen begann, sobald ich die Mauer erkannt hatte. Denn das ist das Schrecklichste … ich erkenne das alles hier, und darum geht es so ohne weiteres in mich ein: es ist zu Hause in mir.”

Rilke - “Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge”

mehr gibt es dazu einfach nicht mehr zu sagen…

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Juli 2006 Schnell ging es. Plötzlich war es fort. Innerhalb von zwei Tagen abgerissen - dies war zumindest das Vorhaben - bis der Baggerführer - der Bauleiter & der Eigentümer bemerkten, dass das kleine rosa Haus zu stark mit dem Nachbarhaus verwachsen ist - das es sich förmlich schutzsuchend an seinen großen Kumpel lehnte.

Nun steht die Ruine seit Juli 2006 unberührt dort - wie vorher der schöne Bau dort stand und langsam verfiel.

Anwohner erzählen von den Guten Zeiten des Hauses als dort die Models ein und aus gingen - weil dort ein gut laufendes Photostudio beherbergt war. Das ist alles gar nicht solange her. Ich selbst habe noch alte Einwohner getroffen die in dem Haus wohnten.
Warum ist so etwas immer wieder möglich in Hamburg? Liegt es zum grossen Teil daran, dass wir als einziges Bundesland noch ein konstitutives Denkmalschutzgesetz haben? D.h. unser Denkmalpflegeamt kann nicht, wie in anderen Bundesländern, nach einem Katalog ein Gebäude unter Denkmalschutz stellen, sondern muss durch ein Gutachten den Eigentümer davon überzeugen und dieser kann gegen die Entscheidung dann trotzdem Widerspruch einlegen. Es folgt häufig ein langer, kostspieliger Rechtsstreit.

Mehr dazu unter:http://de.wikipedia.org/wiki/Denkmalschutz

Oft ist es nur durch eine Notbremse möglich schützenswerte Häuser zu retten. Nach §26 “Gefahr in Verzug” kann dort schnell eingegriffen werden.

D.h., jeder Qyper kann - wenn er ein Gebäude als schützenswert erachtet - diesen Ort zur Prüfung vorschlagen. Man sollte aber zunächst in der Liste der Denkmalverzeichnisse unter der adresse nachsehen ob dies nicht schon geschehen ist, um nicht unnötige Arbeit zu verursachen.

Das alphabetische Verzeichnis ist zu finden unter: www.denkmalschutzamt.hamburg.de

Ist das von euch als schützenswerteres Gebäude empfundene Haus nicht in der Liste, einfach eine erklärende Email an folgende Adresse senden:

denkmalvorschlag@kb.hamburg.de

Verlorene Orte in Hamburg und sonst wo gehen uns alle an & so kann man wenigstens auf sie aufmerksam machen.

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Comments:

  • 03-01-2008, 19:47

    Vielen Dank für den interessanten und informativen Beitrag. Das in Hamburg ein Denkmal nicht schon durch Gesetz Denkmal ist, sondern erst durch Verwaltungsakt zum Denkmal wird, erscheint besonders eigentümerfreundlich- das passt zu Hamburg.
    Ich finde beide Listenarten haben ihr Für und Wider.

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  • 03-01-2008, 20:06

    Merci bien,

    und das Für und wider ist in jedem Falle vorhanden & abzuwägen. Mir geht es hauptsächlich auch um die vorichtige Schaffung eines Bewusstseins für solche Abläufe - raus aus der "Ich kann doch eh nix machen Haltung"

    Sich äußern bringt Segen ,-)

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  • 27-12-2008, 00:49

    “Warum ist so etwas immer wieder möglich in Hamburg? Liegt es zum grossen Teil daran, dass wir als einziges Bundesland noch ein konstitutives Denkmalschutzgesetz haben? D.h. unser Denkmalpflegeamt kann nicht, wie in anderen Bundesländern, nach einem Katalog ein Gebäude unter Denkmalschutz stellen, sondern muss durch ein Gutachten den Eigentümer davon überzeugen und dieser kann gegen die Entscheidung dann trotzdem Widerspruch einlegen. Es folgt häufig ein langer, kostspieliger Rechtsstreit.”

    du bist einer einleuchtenden erklärung sehr nahe!

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  • 18-03-2009, 17:10

    Schön, dass durch Beiträge wie diesen auch die scheinbaren “Nicht-Plätze” ihre Würdigung finden!
    Das Haus war wirklich wunderschön und jedesmal, wenn ich am letzten bestehenden Fenster vorbei gehe, schaue ich hin. Es bei Qype verewigt zu finden, macht irgendwie glücklich. Danke!

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