Rodeo Berlin, Auguststraße 5a, 10117 Berlin
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29-01-2008 (updated on 20-03-2008)
“Der Laden ist doch schon durch!” und “Da gehen doch nur noch Brandenburger und Touris hin!” hörte ich des öfteren über das Rodeo. Wobei ich vielen derer, die sich so äußern, unterstelle, dass sie sich selbst jahrelang angestrengt einen cosmopoliten Anstrich verliehen haben, um ihre eigene kleinbürgerliche Herkunft zu kaschieren. Aber sei es drum, ich wollte mir mein eigenes Bild verschaffen und mich stören einige “normale” Menschen überhaupt nicht beim Feiern.
So kam es dass wir nach der Modenschau einer Bremer Großbrauerei, auf der wir relativ unspektakuläre Mode gesehen haben und von diversen C-Promis gesehen wurden, aufbrachen ins Rodeo. Die Türsteher am Tor zum Hof simulierten eine Selektion, die für mich undurchschaubaren Kriterien folgte. Wir kamen aus irgendeinem Grund hindurch, schritten über den großen Innenhof zu dem einzig rot erleuchteten Punkt, um dann doch in einer Warteschlange im Treppenhaus zu landen. In den zehn Minuten bis zum Eingang im ersten Stock konnte man sich schonmal umschauen. Drei holländisch sprechende Mädchen, ein paar Berlin-Mitte-Boys und tatsächlich viele eher unscheinbare Figuren. Wir (mein Besuch aus Hamburg und ich) setzten das Durchschnittsalter im Treppenhaus jedenfalls deutlich herauf und waren gespannt was uns hinter der Tür zum alten Postfuhramt erwartete.
An der Garderobe empfing uns zunächst eine sehr feminine Person mit Y-Chromosom und gleich danach eine herrlich pöbelne Toilettendame. Das Personal machte mir schonmal großen Spaß! Nun aber auf an die Bar … und … Wow. Unerwartet öffnete sich der Raum zu einer großen Kuppel unter der sich noch die Reste des wohl zuvor angebotenen Menüs und eine große Bar befanden. Da mein Besuch aus der Hansestadt war und wir an dem Abend schon Bierbrause gewohnt waren, gab es erstmal ein gepflegtes Astra auf die Hand. So ausgestattet ging es durch die diversen Räume in die sich Bars, Sitzecken und die winzige Tanzfläche drängten. Hinter dem Pult versuchte sich ein Viva-Moderator der ersten Stunde und kredenzte einen kunterbunten Mix aus zum Teil etwas zu radiotauglicher Popmusik. Als er aber die Soul und Raregroove Ecke in seinem Plattencase entdeckte, konnte ich nicht umhin auch ein wenig mit dem Popo zu wackeln. Ich fühlte mich ganz schön eingerostet und auch die Biere hatten erste Auswirkungen. Vermutlich sah ich aus wie ein Rentner mit Hüftdysplasie, aber die zum Teil blutjungen Damen schien das nicht zu stören, im Gegenteil. Ich war inmitten eines lächelnden Tanzrituales gefangen, bei dem seltsamer Weise nicht der Gockel balzte, sondern die Hühner…?!? Da mich zuhause aber bereits die hübscheste von allen erwartete, lies ich die Avancen unerwidert aber das Ego des alten Mannes jubilierte.
Danach wurde ich diversen Personen vorgestellt, nette Gespräche haben sich eingestellt und begleitend wurde die eine oder andere Gerstenkaltschale mit dem Herzanker auf der Pulle vernichtet und bei der charmanten Klofee weggestellt. Ich durfte mal wieder einen der wenigen “echten” Berliner kennenlernen und trotz der meist doch relativ grauen Mäuse gab es auch immer wieder Paradiesvögel zu betrachten. Insgesamt eine gute Melange an Menschen.
Der “so hip it hurts” Charakter ist vielleicht verloren gegangen und unser aller Karl wird hier wohl auch nicht mehr hindurch fächeln, aber einen spaßigen Abend mit netten und unkomplizierten Leuten kann man hier auf jeden Fall noch verbringen. Das Essen werde ich demnächst auch probieren, allein schon um mir beim nächsten Mal die Steherei im Treppenhaus zu sparen…
P.S.: Das oben erwähnte Astra kostet übrigens dreifufzich inner Knolle. Gilt das in Berlin schon als Import Bier, oder wie ist dieser Preis zu erklären…?
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