Cookies Cream, Behrenstraße 55, Vegetarische Küche, 10117 Berlin
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19-03-2008
Die Kernfrage lautet ja: wie viel coolness verträgt ein Restaurant, ohne zu nerven?
Als wir das erste Mal hier waren, es war etwas später, war “die Tür” schon aufgebaut. Heerscharen von Türstehern bildeten die Exekutive und entschieden wer ausreichend hip ist und wer nicht. Innerlich musste ich lachen. Ich dachte ja für Vegetarische Restaurants bräuchte man eher “Reinschmeisser”.
Gestern waren wir früher da. Der kulinarische Abend begann mit einer Suche. Irgendwo im Hinterhof, zwischen den Mülltonnen und den Transportpaletten befindet sich eine Tür. Da muss man dann klingeln. Ich denke an “resident evil” und die Suchaufgaben, deren Lösung für das Weiterkommen unumgänglich sind. Durch die Tür, durch ein dunkles Treppenhaus weiter. Endlich - wir sind da.
Der Industriefußboden ist wie er ist und blieb unverändert. Man hat das Gefühl der Putz bröckelt von den Wänden, auf den Tischen stehen Kerzen, die Beleuchtung ist so, wie man es sich für ein Restaurant wünscht. Tolle Atmo (cool für Atmosphäre). Das cookies zelebriert den morbiden Charme. Drei Servicekräfte stemmen sich erfolgreich gegen die Gästeflut. Alle sind per Du, so muss das sein, denn sonst ist man je kein “Insider”. Das cookies cream ist so gemacht, wie sich die Leute in meiner dörflichen Heimat ein hippes Berliner Restaurant vorstellen.
Die Weinkarte bietet erste Überraschungen. Tolle Weine, vielleicht nicht ganz fair kalkuliert. Den Goldriesling von Schloß Proschwitz (37 EUR) haben wir in der Spitzengastronomie schon preiswerter gesehen. Er begleitet den ersten Teil des Menüs aber wunderbar. Ebenso der folgende “Braide Alte” aus dem Collio für 55 EUR. Der Cuvée aus Chardonnay, Sauvignon, Piccolit und Mosato Giallo aus dem Barriquefass schmiegt sich hervorragend an die intensiven Aromen des Essens.
Wir lassen uns verzaubern von Dingen wie “gebackenes Landei auf Linsen”, “Gebackener Vacherin mit Pfefferzwetschgen und getrüffeltem Topinambur”, “Topfenknödel mit Nougatfüllung” und so weiter.
Obwohl ich leidenschaftlicher Fleischesser bin, hat mir ebenjenes an diesem Abend überhaupt nicht gefehlt. Ganz im Gegenteil. Ich war beeidruckt, welch Aromenvielfalt hier geboten wird.
Ein rundherum gelungener Abend, der keine Wünsche offen lässt. Das cookies cream ist eben nicht nur hip und cool, offensichtlich stehen Leute dahinter, die echt was drauf haben. Also auch Sein, nicht nur Schein. Das tut gut!
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19-03-2008, 08:48
Interessant, beim Namen “Cookies Cream” wäre ich da sicher nicht hingegangen, denn er lässt mich doch eher eine amerikanische Kaffeeschankfiliale denken, in der es Brownies und Muffins gibt.
Eine wahnsinnig coole Homepage hat der Laden auch, die habe ich beim Platz mal ergänzt.
Die Berliner Zeitung kam übrigens vor Jahren zu einer anderen Bewertung der Küche, teilte aber sehr deine Einschätzung des Ortes (der location).
19-03-2008, 13:19
In der Zitty (oder wars die tipp?) stand ja auch ein sehr lobeneder Artikel. Ich kann mich nur anschließen, die für mich mit Abstand beste vegetarische Küche Berlins. Auch das im Stadtmagazin als beste vegetarische Küche gelobte Vitrum konnte nicht ganz mithalten. Ich hatte z.B. in beiden Restaurants ein Gericht dessen Hauptbestandteil Rote Beete war. Das Cookies war der eindeutige Sieger.
Gerade wenn man hinterher sowieso tanzen wollte ist es auch preislich nicht völlig aus der Welt, man spart ja den Eintritt in den Club.
13-06-2008, 10:57
Natürlich ist es schön, wenn zum schönen oder coolen Schein noch das Sein kommt. Viel mehr gefallen mir aber Lokale (Locations?), die einfach und scheinbar unangestrengt Substanz bieten und nicht Schein.
Coolness, vor allem fabrizierte Coolness, ist so fragil. Nur eine Winzigkeit braucht danebenzugehen und sie wird lächerlich.