Bucerius Kunst Forum GmbH, Rathausmarkt 2, 20095 Hamburg
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19-04-2008
Das Bucerius Kunst Forum zeigt jene Kunst, die zum Bildungskanon pensionierter Studienräte mit langjährigem „Zeit“-Abonnement passt. Sie verschafft liberalen Kaufleuten, die neben „Capital“ auch mal die „Art“ durchblättern, kleine Aha-Erlebnisse. Und das Ausstellungsgebäude wird auch die Brigitte-Leserin nicht enttäuschen, für die Selbstfindung, Wellness und Kunst irgendwie dasselbe sind.
Kurz: Die GmbH, die das Bucerius Kunst Forum unterhält, hat verstanden, wie man eine öffentliche Galerie im 21. Jahrhundert führen muss, ohne dem Publikum vor den Kopf zu stoßen. Man betreibt sie wie eine nette Illustrierte: Vorgestern: „Frida Kahlo“, gestern „Cleopatra und die Cäsaren“, heute: „Hieronymus Bosch: Die Versuchung des heiligen Antonius“, morgen „High Society - Amerikanische Portraits“. Hauptsache, etwas mit Frauen, mit Sünde, mit Glamour. Jeder Kunstgeschichtsstudent hat das Gezeigte zwar schon tausendmal gesehen und fühlt sich bei Bucerius wie in einer Schlagerparade der Maler und Bildhauer, doch das große Publikum, das hier angesprochen werden soll, klatscht Beifall, weil es hier nur gekitzelt, aber nie erschreckt wird.
Für 5 € erhalten Besucher Eintritt in den achteckigen Schauraum, der anders als staatliche Museen auch am Montag geöffnet ist. Gut! Die Beleuchtung variiert von Ausstellung zu Ausstellung, manchen erscheint sie zu dunkel, wie man im Gästebuch nachlesen kann. Wahrscheinlich wollen die Kuratoren mit dem Lichtkonzept die Wirkung der Exponate ins Dramatische steigern, weil sie meinen, dass sich diese nicht von allein ergibt, oder sie nehmen damit Rücksicht auf konservatorische Notwendigkeiten. Möglich ist beides. Mich stört weniger dieses merkwürdige Hell-Dunkel im Raum als vielmehr die sonderbare Innenarchitektur: Ein Mix aus Postmoderne und Neo-Byzantinismus.
Und natürlich der omnipräsente Lärm! Obwohl ich an einem Freitag Nachmittag durch das Bucerius-Kunstforum schlenderte, zu einer Zeit in der der normale Hamburger lieber noch Geld macht oder bereits shoppt, wurden vom Haus zwei Führungen organisiert: Nach meiner Einschätzung eine für Studienräte, die Andere für Brigitte-Leserinnen. Hinzu kam das frei flottierende Museumspublikum. Angesichts des allgemeinen Gemurmels, übersteuerter Kopfhörer, ohne die offenbar kaum jemand auskommt, und alle dreißig Sekunden lospiepsender Abstandmelder war viel Phantasie erforderlich, um sich für Minuten in die Höllen des Hieronymus Bosch zu retten.
Nach einer Stunde hatte ich genug von all dem Gewirr und wollte mich im angeschlossenen Bistro noch zu Kaffee und Kuchen einladen. Minuspunkt Nummer 1 dort: Das schön möblierte Café befindet sich im Souterrain. Man kann dort zwar ruhig sitzen und eine Zeitung lesen (Z.B. “Die Zeit”). Preise von 3 € für einen Milchkaffee und 4,50 € (= 9 D-Mark!) für ein Tortenstück erscheinen mir allerdings als sehr unverschämt. Davon könnte ich mir theoretisch mehr als einmal die “Brigitte” kaufen. Ich zog also zunächst einen Gratisbesuch des hübschen Buchladens im Erdgeschoß vor und machte das Päuschen später an einem anderen Ort: Wo niemand Stiefel über der Jeans oder dunkelbraune Cordanzüge trägt.
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19-04-2008, 12:08
Ja aber, Scipio, Kunst ist doch für nett und soll nicht weiter stören, dann kann man sie auch wunderbar in ein teures Wohnzimmer integrieren, als Wertanlage eben. Wo kämen wir denn da hin, wenn Kunst sich mit Interpretationen des Alltags beschäftigen würde oder gar eine Einmischung in gesellschaftliche Auseinandersetzungen versuchte. Dann ginge ja nicht einmal mehr das Tortenstück für 4,50 €.
Fein beobachtet, Scipio! Merci.