Restaurant-Bar blindekuh, Mühlebachstrasse 148, 8008 Zürich
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03-05-2008
Ein Blind Date ist immer etwas spannendes. Man weiß nicht was einem erwartet und man springt förmlich in unbekannte Welten.
Bei der Blinden Kuh ist es nicht anders, es ist Essen in einem stockdunklen Raum, wo man nicht einmal die Hand vor den Augen sieht.
Zuerst muss einmal reserviert werden. So einfach auf gut Glück funktioniert bei diesem Restaurant gar nicht.
Da mein Erlebnis schon etwa 2 Jahre zurückliegt, kann ich jetzt nicht mehr so genau sagen, ob alle Details so stimmen, wie ich sie wiedergebe. Was ich allerdings nicht vergessen habe, das Gefühl dabei zu haben, wenn man plötzlich einer seiner Sinne “beraubt” wurde.
Man wartet im Vorraum bis der Tisch frei wird und alle Tischgenossen beisammen sind. Handies sollen abgedreht werden, sowie Uhren vom Arm genommen werden, die fluoriszierend sind. Es soll komplett dunkel bleiben. Wir waren bunt gemischt an einem 6er Tisch beisammen, noch zwei andere Pärchen, die uns komplett fremd waren. Alle waren wir aufgeregt wie die Kinder vor einem Kindergeburtstag. Dann kommt auch schon unsere Kellnerin, stellt sich uns mit dem Namen vor und holt ihre Schützlinge direkt aus dem Vorraum ab. Hände an die Schulter des Vordermannes oder -frau und schon trippelt man in die Dunkelheit. Jeder Gast wird einzeln zu seinem Platz geführt und schon sitzt man. Tastet sein Terrain ab, spürt ein Tischtuch, Besteck und dann uuups, etwas Warmes. Nein, keine Schweinsstelze, es ist der Arm des Nebenmannes.
Dann darf man bestellen. Die Getränke werden nicht aus einer Karte gelesen, wie sollte man auch, sondern lauscht einfach den Ausführungen der Kellnerin. Wohin das Glas und die Flasche gestellt wird, sagt sie uns noch kurz und während wir uns mit den Fingerspitzen vorsichtig entlangtasten und warten, bis wir an das kühle Glas antippsen, hören wir schon, was heute kredenzt wird. Es gibt drei verschiedene Vorspeisen, vier (glaube ich) Hauptspeisen und auch Nachspeise. So das Glas hätten wir einmal im Griff, die Bestellung getätig und nun darf getrunken werden. Alles vorsichtig und mit Bedacht, man weiß ja nicht, ob man wie blind trinken kann. Wie beim Alkotest, wo man die Fingerspitze zur Nase führen muss, ist diesmal das Glas zum Mund zu führen. Die langjährige Säufererfahrung schlägt sich positiv zu Buche, man trinkt ohne zu tropfen. Das Glas stellt man wieder sorgsam zurück.
Bei der Wahl der Speisen habe ich natürlich auch überlegt, was mir schmeckt, aber auch, ob es leicht zu essen sei. Ein Straußensteak habe ich nicht genommen und zwar aus zwei Gesichtspunkten: Ich esse ungern Tiere, die mir nicht gefallen, so ist das Truthahn und Strauß. Außerdem, wie soll ich bitte das Stück Fleisch am Teller finden und wo steche ich hinein, setze das Messer so an, dass auch mundgerechte Stücke entstehen? Nein, ich habe Tagliatelle bestellt. Die erste Diskussion bricht vom Zaun, wie unklug diese Wahl war, weil man sich so leicht anpatzen kann. Ha, denk ich mir, das sieht aber keiner. Das Essen lief auch von meiner Seite sehr gut. Nudeln werden sehend und blind bei mir immer auf die gleiche Weise am Tellerrand gedreht. Vom Gewicht her konnte ich ausnehmen, wie viele Nudeln ich zwischen den Zinken hatte. Was ich allerdings nicht einkalkulierte war die Kürbis-Gorgonzolasauce. Denn während ich die Gabel zum Mund führte, kullerten hurtig die Kürbiswürfel über Busen hinunter in den Schoß und dort sie zu finden war so gut wie chancenlos. Also ließ ich sie liegen, in der Hoffnung, die Serviette deckte alles ordentlich ab.
Interessant wie wir sehende Blinde die Umgebung wahrnehmen. Beim Dialog im Dunkeln habe ich bereits bemerkt, wie unheimlich intensiv wir Lautstärke wahrnehmen und auch sofort die Verteilung der lauten Unterhalter und der Flüsterer erkennen. Manchmal wenn eine der Kellnerinnen knapp hinter mir vorbeikam, wartete ich schon, sie würde mich ansprechen. Nein, war nicht so. Ebenso nahm ich das Kommen und gehen der Restaurantbesucher sehr aufmerksam wahr, wie sie wieder im Entenmarsch aus dem Raum zappelten.
Dass blinde Kellner, obwohl sie keinen Blindenstock haben, nicht zusammenstoßen brauche ich wohl nicht zu sagen. Wie sie das allerdings machen ist mir ein Rätsel.
So ein Lokal sollte man einmal besucht haben. Schon alleine aus dem Gedanken heraus, die Welt in der “Sicht”weise eines Blinden kennenzulernen.
Fotos habe ich keine gemacht, ist wohl klar. ;-)
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