The Westin Leipzig, Gerberstr. 15, 04105 Leipzig
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14-05-2008
Auch moderne Bauten haben ihre Geschichte: Das „Westin Leipzig“, hieß bis zum Jahr 2003 noch „Intercontinental“ und startete in der Honecker-Ära als „Hotel Merkur“. Jede Epoche hinterließ in diesem Haus ihre Spuren: Die Japaner, die das über 100 Meter hohe Gebäude für den „Arbeiter und Bauernstaat“ hochzogen, sind vermutlich für die mir exotisch anmutende Unübersichtlichkeit der unteren zwei Etagen verantwortlich. Die Helmut-Kohl-Zeit zeigte später einen gewissen Drang ins Überbordende, versuchte den sozialistischen Chic unter Schwulst zu verstecken. Das neue Jahrtausend brachte dann eine Neigung zur amerikanischen Coolness: Wer die Vorgeschichte des Hochhauses nicht kennt, wird deshalb wenig Unterschiede zu ähnlichen Business- und Kongress-Hotels in der Welt feststellen. Diese Wirkung ist vermutlich von den Betreibern der „Starwood Gruppe“ auch beabsichtigt.
-Die Zimmerbuchung bestätigt bekommen, höflich begrüßt und später lächelnd verabschiedet werden, ein vernünftiges breites und gutes Bett erhalten: -Das kann der Gast hier erwarten, und das wurde mir im „Westin“ auch zuteil.
Überdurchschnittlich: Der Blick aus dem 21. Stock in der Nichtraucheretage und die Größe von Bad, Duschzelle und Schlafraum. Ich habe gut geschlafen, obwohl die Klimaanlage des Nachbarzimmers gelegentlich ein merkwürdiges Sirren von sich gab. Angenehm auch: Die Möglichkeit bis um 22 Uhr im Schwimmbad zu planschen. Allerdings wirkte das Becken morgens mit acht Besuchern bereits etwas überfüllt. Abends gehörte mir das Bassin zum Glück dann ganz allein.
Das beste Argument für die Wahl des Hotels ist der für ein Fünfsterne-Hotel noch vergleichsweise mäßige Preis und besonders die Lage in unmittelbarer Nähe des Leipziger Hauptbahnhofs. Man benötigt kein Taxi, steht in rund fünf Minuten auf dem Querbahnsteig.
Leider ist der Weg vom Bahnhof zum Hotel oder zurück nicht besonders angenehm. Man passiert leer stehende Büros, ein riesiges Asyl aus Beton, dessen Bewohner augenscheinlich gerne dem Hobby frönen, auf Bürgersteige zu spucken, dann eine sechsspurige Straße und einen hässlichen Großparkplatz. Will man nach dem Einchecken auf kürzestem Weg in die Altstadt gelangen, muss man im Eiltempo eine andere stark befahrene Straße kreuzen oder einen muffigen Tunnel durchlaufen, an deren Wänden allerlei Geschmier zu finden ist, mit dessen Inhalt sich Leipzigbesucher besser nicht allzu lange befassen sollten.
Das „Westin“ kann ich also nur jenen Besuchern empfehlen, die in dem unausgewogenen Nebeneinander von Internationalität, Distanz, latentem Elend und kühlem Prunk etwas Reizvolles sehen können. Ich bin etwas unentschieden und gebe 3,4 Punkte.
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