Enoteca Storica dell´Istituto Enologico Italiano, Via Sottoriva 7, 37121 Verona
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13-09-2007 (updated on 21-07-2008)
Hier wird ja oft und gern über guten oder auch schlechten Service berichtet. Eher selten findet man Nachrichten über angenehme oder auch unverschämte Gäste in der Gastronomie.
Ich arbeite in Restaurants fast solange ich denken kann.
Da hat man im Laufe der Zeit einen kleinen Schatz an Geschichten und Katastrophen zusammengetragen, die leider zum großen Teil dem Datenschutz unterliegen.
Man trifft auf Gäste, die fein und höflich sind, manchmal schafft man es, an einem Abend fast so etwas wie Freundschaft aufzubauen.
Seltener trifft man auf Menschen, denen jegliche Kinderstube zu fehlen scheint.
Wenn sich schlechte Manieren mit alkoholischer Gärung paaren, kann es peinlich, lästig, in späterer Betrachtung meistens aber lustig werden.
Die folgende Geschichte möchte ich aufschreiben, weil ich damals selbst unter den Gästen war; da bin ich ja wohl nicht zum Schweigen verpflichtet.
Auf Einladung einer Weinhandelsfirma flog ich vor paar Jahren nach Italien. Wir waren wohl ungefähr zwanzig Teilnehmer aus verschiedenen Städten Deutschlands, es sollten Winzer im Veneto und im Friaul besucht werden, zwei Grappadestillerien, einige Restaurants, nettes Programm.
Amarone, der Wein für mein Rentenalter, wurde gleich am ersten Tag bei einem Winzer östlich des Gardasees probiert, abends war ein Besuch der berühmten Enoteca in Verona geplant und zwei größere Tafeln für uns reserviert.
Darüberhinaus gab es für den Ablauf unseres Essens keine weitere Absprachen, ein folgenschwerer Fehler, wie ich finde.
Das altehrwürdige Lokal ist berühmt für seine Auswahl italienischer Spitzenweine, die es hier zu verhältnismäßig anständigem Kurs zu kaufen gibt. Ornellaia, Tignanello und Co. in sämtlichen Jahrgängen und Flaschengrößen, aber auch im offenen Ausschank. Gibt es ja nicht oft, daß man ein Achtel Wein für 16 Euro serviert, für Weinliebhaber aber eine gute Chance, zu vergleichen.
Der Laden ist auch an diesem Abend rappelvoll, das sind wohl stehend und sitzend um die 150 Personen. Wir haben unseren eigenen Kellner, der spricht englisch mit uns, was einige aus der gruppe nicht beherrschen. Alle suchen von der Karte Vorspeisen und Hauptgang aus, ungefähr jedes Gericht einmal - da freut sich die Küche.
Bis hierhin ging noch alles ganz gut, aber jetzt schlitterte der Abend mehr und mehr ins Desaster.
Vielleicht sollte ich erwähnen, daß alle an unseren Tischen Gastronomen oder Weinverkäufer waren. Der größte Spezialist an unserem Tisch schnappt sich die Weinkarte und ordert nach längerem Grummeln und Dozieren eine 0.7 Flasche eines sagen wir mal Sassicaia Jahrgang sowieso. Kellner bringt kleinen Beistelltisch, bestückt diesen mit neun großen Riedel- Bordeauxgläsern und beginnt, diese zu vinieren. Er probiert den ersten Schluck, gießt etwas Wein ins erste Glas, schwenkt die Innenwand bis oben damit aus und gießt ein Glas weiter bis zum letzten. Das dauert schon ein paar Minuten, ist aber hübsch anzusehen und hat Stil.
Nun haben wir also alle 7 Zentiliter Wein in diesem Riesenglas und freuen uns auf die Vorspeise. Hier spätestens hätte man den Eisberg erkennen können, um beizudrehen.
Irgendwann kommen die Vorspeisen und sind so lala, der Ruf des Lokals beruht auf Flüssigem. Davon ist nun aber an beiden Tafeln nichts mehr außer Wasser. Also Weinkarte her, Spezialist grummelt und murmelt und sucht letztlich einen anderen Jahrgang des gleichen Weins aus, wieder in Normalflasche, wir wollen ja Verschiedenes probieren und sind nicht zum Vergnügen hier.
Neun neue Gläser, Flasche holen, präsentieren, Gläser vinieren. Inzwischen hat unser Kellner aber auch noch zwei andere Tische, es kommt zu ersten Unmutsregungen, aber wir lernen nicht und warten mit weiteren Getränkebestellungen, bis wieder kein Wein mehr da ist.
Jetzt ist auch mal ein Wein nicht vorrätig und Spezialist verliert das erste Mal die Contenance und mault den freundlichen, aber mittlerweile etwas hilflosen Kellner auf deutsch an, wo das Essen bliebe und wieso das nicht alles etwas schneller gehe.
Erste Rebellion an beiden Tischen gegen die kleinen Flaschen aber der Krug ist schon im Brunnen, Spezialist streitet lauthals und immer noch deutsch, also ohne pädagogischen Effekt mit Kellner, der sich wohl weit weg wünscht, aber nicht kann.
Allen ist es mittlerweile peinlich, Spezialist steht pöbelnd auf, um ostentativ am Tresen weiterzutrinken. Wir sind bestimmt schon fast zwei Stunden da, die Stimmung ist peinlich berührt, ich denk an Gerhard Polt.
Wir entschuldigen uns beim Kellner und einigen uns mit ihm, noch vor den Hauptgängen zu gehen, an Essen mag hier keiner mehr denken. Die Rechnung wird gesplittet und zuguterletzt muß der arme Kerl noch zehn verschiedene Kreditkarten durchratschen.
Wir sind dann noch in kleiner Gruppe lecker Eis essen gegangen.
Ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal in aller Form bei dem jungen Mann entschuldigen. Man hätte das stoppen können.
Fünf Sterne weil es ein schönes Lokal ist.
13-09-2007, 14:26
Aber mit dem größten Vergnügen.13-09-2007, 14:38
Was Du alles weißt. Hut ab.13-09-2007, 17:06
Es wird meines Erachtens viel zu viel Wind darum gemacht, um das´richtige Weintrinken´ elitär zu halten.15-09-2007, 00:29
Tja, so sind Sie die Gastronomen, am schlimmsten sind aber auch wirklich die Weintrinker. Biertrinker sind ein klein wenig chilliger! Wenn auch nicht alle. Tut mir leid, daß Du diese Erfahrung gemacht hast. Doch während meiner Ausbildung hab ich mich das ein oder andere Mal für unsere Restaurantleiterin geschämt. Kennst Du das Phenomän des Fremdschämens? In etwa das wird es auch bei Dir gewesen sein, oder?