23-09-2007
5
Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich den Möhnesee gesehen. Von den plastischen Bildern der vielen Qyper, die sich dort schon oft getroffen haben – zuletzt zum Möhnesee-Niagara, oder bei der Serano-Tour – kannte ich ihn natürlich schon - besonders die kulinarischen Highlights rundum.
Jetzt habe ich ihn aber ganz pur erlebt – reine Natur. Erste Station war an der Delecker Brücke – ein Surfer machte sich gerade fertig für seine Tour, am Horizont kurvte ein kleines weißes Segelboot und einige Enten vergnügten sich auf dem Wasser. Eigentlich dachte ich, der See sei nach der nächsten Kurve schon zu Ende – wie naiv – von einem besseren Aussichtspunkt habe ich später erst die ganzen gigantischen Ausmaße des Stausees gesehen. Das vermeintliche Ende war nur ein kleiner Landvorsprung, hinter dem sich das Wasser noch endlos erstreckte. Eigentlich wollten wir aber das Herzstück, nämlich die Sperrmauer besichtigen – also noch einige Kilometer weiter in Richtung Günne. Da lag sie auch schon vor uns – majestätisch, gigantisch – einfach schön. Ein günstiger Parkplatz - 2 Euro bitte - und schon konnte unsere Entdeckungstour starten.
Zunächst mal rauf auf die Mauerkrone – einige Infotafeln mit technischen Details studiert. Ich will Euch hier nicht damit langweilen – interessant fand ich den Intze-Keil (weil ich mir darunter was vorstellen kann) und die Daten, Zahlen und Fakten. Bei Interesse empfehle ich Wikipedia (siehe oben) – oder einfach mal hinfahren und schauen – lohnt sich. Erbaut wurde sie jedenfalls von 1908 bis 1913 zur Stromerzeugung, zum Hochwasserschutz und zur Sicherstellung des Trinkwassers im benachbarten Ruhrgebiet. Im Mai 1943 wurde durch britische Bomben die Sperrmauer auf eine Länge von etwa 77 m und 22 m Tiefe zerstört. Durch die gewaltige Flutwelle war noch im 100 km entfernten Essen-Steele ein Toter zu beklagen – insgesamt könnten es bis über 1600 Tote gewesen sein.
Aber das ist Gott sei Dank Geschichte. Heute ist die Gegend um den Stausee ein wunderschönes Naherholungsgebiet, auch für das Ruhrgebiet. Wir haben uns dann schnell für den Rundwanderweg um den Ausgleichsweiher entschlossen – 2.1 km lang und bequem und angenehm zu gehen. Zunächst rauf auf die Mauerkrone – 650 lang, 6,27 m breit, mit 2 Türmen – gebaut aus dicken Bruchsteinen. Traumhafte Ausblicke von jeder Stelle – über den riesigen ruhig daliegenden See, oder auf der anderen Seite in die schwindelerregende Tiefe des Ausgleichsbeckens. Am Ende der Mauerkrone führt ein bequem zu gehender Abstieg – teilweise in Stufenform – runter zum Ausgleichsweiher. Von dort geht´s nur noch ganz eben auf einem gut ausgebauten Weg rund um den kleinen See. Am hoch aufragenden Ufer linker Hand waren noch viele durch Kyrill verursachte Schäden an den Bäumen zu sehen. Etwa auf halber Höhe steht heute das Kraftwerk, das vor der Bombardierung direkt unter der Sperrmauer seinen Platz hatte. Ein Stückchen weiter hat der Schützenverein der Gegend seinen Schießstand. Oben am Hang aufgehängt, anstatt wie üblich auf einer Stange, der Vogelschußkasten (oder wie nennt man das Ding, in dem der hölzerne Vogel seiner Zerstörung harrt ??). An dieser Stelle sind auch wieder – wie überall auf dem Rundweg verteilt – Schaukästen mit Bildern aus alter Zeit und kartographische Vergleiche mit heute.
Am Ende des Weihers liegt das kleine Dörfchen Günne. Das Wasser fließt hier über ein Wehr weiter in den Unterlauf der Möhne. In kurzer Entfernung liegt immer noch linker Hand das KAB-Haus Heinrich Lübke (siehe Beitrag) und ein Sägewerk, dass seine vielen dort gelagerten Baumstämme mit dem Wasser der Möhne über Sprühvorrichtungen konstant feucht hält. Über einen asphaltierten Weg geht es dann an der anderen Seite des Weihers, entlang der Wohnbebauung des Dörfchens Günne zurück zur Sperrmauer. Ein sehr romantischer Weg, wie das Foto mit der Sitzbank zeigt – nicht so sehr vom Sturm gebeutelt. Am Ende des Weges kann man noch das Modell eines Sperrschiebers anschauen, die - im unteren Teil der Mauer installiert - kontrolliert Wasser in´s Ausgleich– oder auch Tosbecken abgeben. Übrigens gibt es seit einer Generalrestaurierung vor etlichen Jahren auch Kontrollschächte, die man im Rahmen einer Führung begehen kann – sicher nichts für Klaustrophobiker. Jedenfalls gibt es auch zu diesen technischen Details am Sperrschieber wieder interessante Hinweistafeln.
Zum Schluß geht´s über Treppen und Steige wieder nach oben zum Ausgangsparkplatz – noch ein kurzer Abstecher nach ganz oben zur Sperrmauer, wo gerade ein großes Rundfahrtboot der Möhnesee-Schiffahrt anlegte. Zu einer Rundfahrt konnten wir uns allerdings nicht mehr entschließen – vielleicht beim nächsten Mal. Denn das wird es sicher geben. So einen schönen See muß man öfter besuchen, um auch die anderen – teilweise recht langen – Wanderwege zu erwandern.
Tags
wandern, kraftwerk, wanderweg, möhnesee, günne, sperrmauer, intze_keil, ausgleichsweiher, tosbecken, sägewerk, sperrschieber, kontrollschächte, möhneseeschiffahrt
|
Report this content
|
Compliment